Zimmerpflanzenpflege im Herbst und Winter
Das solltest du wissen
Wann beginnt die goldene Jahreszeit?
Es gibt drei unterschiedliche Arten des Herbstbeginns:
- Der meteorologische Herbstanfang ist der 1. September. Jede der vier Jahreszeiten umfasst drei Monate, der Herbst findet also im September, Oktober und November statt.
- Der astronomische Herbst startet zur Tag-und-Nacht-Gleiche am 22. oder 23. September, wenn die Nacht genauso lang ist wie der Tag, nämlich 12 Stunden.
- Der phänologische Herbstanfang wird von der Entwicklung der Pflanzen bestimmt. Der Frühherbst beginnt, wenn die Herbstzeitlosen blühen und der Holunder sowie die Esskastanien reif sind.
Was ändert sich im Herbst?
Im Sommer waren die Tage sehr lang und sehr hell. Am 21. Juni ist der längste Tag, der ca. 16 Stunden dauert. Doch die Tage sind nicht nur lang, die Lichtintensität ist dazu noch sehr hoch.
Je näher wir dem kürzesten Tag im Jahr kommen, dem 21. Dezember, der nur ca. 8 Stunden dauert, desto kürzer werden die Tage. Und auch die Lichtintensität wird geringer.
Im goldenen Oktober ist es noch etwa 10 Stunden am Tag hell. Das ist schon deutlich weniger als im Sommer. Dennoch kann es im Oktober nochmal recht warm und sonnig werden.
Halten wir fest: Im Herbst wird es zunehmend kälter und die Lichtintensität sowie die Tageslänge nehmen immer weiter ab.
Erst ab März werden die Tage wieder länger als die Nächte. Ab dann sind die Zeiten des Lichthungers für deine Pflanzenfreunde vorbei und sie können wieder richtig loslegen.
Was bedeutet das für meine Zimmerpflanzen?
Während deine Pflanzen-Buddys im Sommer noch ein Blatt nach dem anderen gebastelt haben und so richtig im Vollgas-Modus waren, so schalten sie nun mehrere Gänge herunter.
Sie erhalten nämlich viel weniger Licht, wodurch ihre Photosynthese auf deutlich niedrigerem Niveau abläuft. Somit wird auch weniger Zucker gebildet, was dazu führt, dass deine Pflanzen langsamer wachsen. Daher verbrauchen sie weniger Wasser und benötigen auch nicht mehr so viele Nährstoffe wie im Sommer.
Für dich bedeutet das, dass du die Pflege deiner Pflanzenwelt anpassen musst. Wie das funktioniert, erfährst du nun.
Zusammengefasst:
Was muss ich im Herbst ändern – die Kurzübersicht der wichtigsten Tipps!
- Weniger oft und weniger viel gießen.
- Weniger düngen. Heizung an?
- Luftfeuchtigkeit erhöhen!
- Mindestens 15 °C Raumtemperatur einhalten.
- Zimmerpflanzen vom Balkon hereinholen, Kakteen ins Winterquartier.
- Pflanzen näher ans Fenster rücken, ggfls. Fenster und Blätter reinigen.
- Nicht mehr umtopfen bis zum Frühling.
- Kontrolle auf Spinnmilben und Trauermücken.
- Blätter nicht besprühen, Pilzgefahr!
Jetzt, wo du die Basics kennst, wird’s erst richtig spannend! Wenn du wissen willst, wie du mit ein paar einfachen Tricks deine Pflanzen durch die dunkle Jahreszeit bringst, dann lies unbedingt weiter. Es warten weitere hilfreiche Tipps, kreative Lösungen und vielleicht sogar die eine oder andere Überraschung auf dich. Also schnapp dir einen Tee und tauch ein – deine Pflanzen werden es dir danken!
Herbst-Tipp #1: Weniger Wasser
Ab jetzt heißt es: Weniger ist mehr – das gilt vor allem für das Gießen! Du bist es vom Sommer gewohnt, oft und viel zu gießen. Wenn du das im Herbst so fortführst, kann es schnell zu Staunässe und Wurzelfäule kommen.
Unsere Zimmerpflanzen benötigen jetzt im Herbst weniger Wasser, also lass die Gießkanne ruhig etwas länger in der Ecke stehen als im Sommer. Und wenn du dann doch mal gießt, kannst du auch die Wassermenge etwas reduzieren.
Tipp: Prüfe vor dem Gießen, ob das Substrat noch feucht ist. Das gelingt dir gut mit unserem Hydrometer, den du einfach in die Erde steckst. Er misst die Restfeuchtigkeit im Wurzelbereich und zeigt dir an, ob es schon Zeit ist zum Gießen.
Zimmerpflanzen, die unter Kunstlicht stehen, kannst du ganz normal weitergießen und düngen. Mehr zum Thema künstliche Beleuchtung erfährst du hier:„Lerne alles zum Thema Kunstlicht“..
Herbst-Tipp #2: Weniger Dünger
Während du im Sommer noch häufig gedüngt hast, ist es nun an der Zeit, die Düngermenge und -häufigkeit zu reduzieren. Komplett einstellen solltest du das Düngen nicht. Denn wenn deine Pflanzen in deiner geheizten Wohnung stehen, benötigen sie ein wenig Nährstoffe, um ihren Stoffwechsel aufrecht zu erhalten. Eine richtige Ruhephase findet bei den gemütlichen Temperaturen in unseren Wohnungen nicht statt.
Wenn du dich fragst, was passiert, wenn du deine Zimmerpflanze zu wenig oder zu viel düngst, dann besuche unseren Blog: „Zimmerpflanzen düngen“.
Herbst-Tipp #3: Heizung & Luftfeuchtigkeit
Meistens stellen wir im Oktober die Heizung an. Dadurch reduziert sich die relative Luftfeuchtigkeit in unseren Wohnräumen oft deutlich. Dann kann es sein, dass deine Zimmerpflanzen Stress bekommen. Um ihnen die schwierige Phase zu erleichtern, haben wir hier einen Pro-Tipp für dich:
Durchdränge ein Handtuch mit Wasser, wringe es leicht aus, sodass es gerade so nicht mehr tropft, rolle es der Länge nach ein und lege es auf deine Heizung. So erreichst du eine deutlich höhere relative Luftfeuchtigkeit, und zwar genau da, wo du sie brauchst: auf der Fensterbank bei deinen Zimmerpflanzen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass dadurch die relative Luftfeuchte um bis zu 20 % an Ort und Stelle steigen kann. Diese Methode ist zusätzlich sehr kostengünstig.
Alternativ kannst du auch deinen Wäscheständer während des Trocknens der Wäsche neben die Fensterbank stellen. Wenn du weitere Tipps haben möchtest und wissen willst, wie hoch die optimale Luftfeuchtigkeit sein sollte und wieso das so wichtig ist, dann kannst du in unserem Blog „Die richtige Luftfeuchte für deine Zimmerpflanzen“ vorbeischauen.
Herbst-Tipp #4: Temperatur
Es wird kälter. Du brauchst dir aber keine Sorgen zu machen, wenn deine Raumtemperatur nicht immer exakt dem Anspruch deiner geschätzten Zimmerpflanze entspricht, denn die meisten Pflanzen tolerieren dennoch auch Temperaturen, die für kurze Zeit unter ihrem Optimalbereich liegen. Sie wachsen dann nur nicht mehr ganz so schnell. Nur dann, wenn sich deine Pflanzen-Buddys für einige Zeit weit unterhalb ihres Temperaturoptimums befinden, können Schäden entstehen.
Generell empfehlen wir dir, eine Mindesttemperatur von 15 °C nicht zu unterschreiten. Fällt die Temperatur in deiner Wohnung für mehrere Stunden unter diesen Wert, können einige deiner tropischen Pflanzen-Buddys Schäden davontragen.
Übrigens: Nachts darf die Temperatur gerne etwas niedriger sein als am Tag. Selbst unsere tropischen Freunde sind daran angepasst, nachts kühler zu stehen. Dabei kannst du dich gut an der Tagtemperatur orientieren: wenn es nachts 3-5 °C kälter ist als tagsüber, wirkt sich das sogar positiv auf das Wachstum deiner Grünlinge aus!
Wenn du wissen willst, woran du Kälteschäden an deinem Pflanzenfreund erkennst und wenn du weitere spannende Infos zu diesem Thema haben möchtest, dann schau mal hier rein: „Die perfekte Temperatur für deine Zimmerpflanzen““.
Herbst-Tipp #5: Die Pflanzen auf dem Balkon
Wenn deine Zimmerpflanzen über den Sommer Urlaub auf deinem Balkon, deiner Terrasse oder deinem Garten gemacht haben, dann ist es nun an der Zeit, sie wieder in die warme Wohnung zu stellen, bevor es draußen zu kühl wird.
Falls du die Möglichkeit hast, sollten deine Kakteen grundsätzlich im Sommer nach draußen, da sie die direkte Sonne brauchen, um perfekt zu gedeihen. Für die dicken, dornigen Gesellen ist es im Oktober an der Zeit, in Winterruhe zu gehen. Räume deine Kakteen daher nun an einen hellen, aber kühlen Ort mit Temperaturen zwischen 5 °C und 15 °C, also z.B. ins Treppenhaus oder in einen Kellerraum.
Herbst-Tipp #6: Licht
Deine Zimmerpflanzen erhalten nun nur noch einen Bruchteil des Lichts, das sie im Sommer bekommen. Daher ist wichtig, dass du die Standorte deiner Pflanzen-Buddys überprüfst. Stehen sie weiter als einen Meter von dem Fenster entfernt, also z.B. in einer Zimmerecke oder in der Raummitte, dann solltest du sie über die lichtarme Jahreszeit unbedingt näher ans Fenster stellen. Uns ist aufgefallen, dass unseren Freunden häufig im Winter Pflanzen absterben und der Grund dafür ist zumeist die Distanz zum Fenster. Ohne ausreichendes Licht können Pflanzen nicht überleben. Warum das so ist, kannst du hier nachlesen: „Ohne Licht kein Pflanzenwachstum“.
Neben einem Standort direkt am Fenster, kannst du deinen Grünlingen noch mit folgenden Tipps helfen, um gut durch die Zeit des Lichtmangels zu kommen:
- Entstaube die Blätter. Staub auf den Blättern hemmt die Photosynthese, die durch den Lichtmangel sowieso schon auf Sparflamme läuft, noch zusätzlich.
- Putze deine Fenster. Wenn sie schön sauber sind, kommt mehr Licht hinein. Gut für dich und deine Pflanzen!
- Lasse deine Rollos tagsüber oben. Wir sehen leider häufig, dass tagsüber die Rollos teilweise oder ganz geschlossen werden. Das führt nach einer Weile leider zum sicheren Tod deines Pflanzenfreundes.
Herbst-Tipp #7: Nicht mehr umtopfen
Ab Herbst empfehlen wir dir, deine Zimmerpflanzen nicht mehr umzutopfen. Durch den Lichtmangel können sie sich weniger gut von der Umtopf-Aktion erholen und das Risiko, dass deine Pflanze es nicht schafft, ist deutlich höher.
Für Pflanzen, die unter Kunstlicht stehen, gilt das nicht. Sie können auch im Herbst noch umgetopft werden.
Auch in bestimmten Ausnahmefällen, z.B. wenn es so aussieht, als würden die Wurzeln deines Grünlings den Topf sprengen, solltest du eine Ausnahme machen und ihn umtopfen.
Herbst-Tipp #8: Frei von Schädlingen
- Spinnmilben-Gefahr! Spinnmilben florieren bei trockener Raumluft. Und durch das Anstellen der Heizung wird die relative Luftfeuchtigkeit im Raum reduziert. Sorge für eine hohe Luftfeuchtigkeit, um den lästigen Spinnentierchen entgegenzuwirken. Wenn du einen Befall entdeckt hast, empfehlen wir dir, die Pflanze mit Blattglanzspray einzusprühen. Das enthaltene Paraffinöl sorgt zuverlässig dafür, dass die Spinnmilben ersticken. Wenn du mehr über die häufigen Schädlinge erfahren willst und wissen möchtest, wie man die winzig kleinen Krabbeltierchen erkennt, ist dieser Blog genau richtig für dich: „Spinnmilben erkennen und bekämpfen“.
- Trauermücken machen im Herbst auch gerne große Partys, denn sie lieben feuchtes Substrat. Durch die niedrigen Temperaturen trocknet das Substrat nicht mehr so schnell ab wie im Sommer – zum Glück für die Trauermücken, zum Pech für uns. Wir empfehlen dir, deine Zimmerpflanzen von unten über einen Untersetzer zu gießen, um den fiesen Mückchen vorzubeugen. Sollte die Trauermücken-Party schon begonnen haben, empfehlen wir dir eine Kombination aus SF-Nematoden und Gelbstickern. Wenn du Trauermücken-BezwingerIn werden möchtest, lies hier mal rein: Trauermücken erkennen und bekämpfen“.
Herbst-Tipp #9: Pflanzen nicht ansprühen
Pilz-Alarm! Wenn du deine Zimmerpflanzen ansprühst, befindet sich Feuchtigkeit direkt auf den Blättern. Das kann für deine Grünlinge zu einem Problem werden, denn die Sporen von schädlichen Pilzen haben auf den feuchten Blättern ein leichtes Spiel, um auszukeimen und deine Pflanze zu infizieren. Viele Pilz-Arten benötigen nämlich eine feuchte Blattoberfläche, um überhaupt auszukeimen zu können.
Im Herbst und Winter empfehlen wir dir daher, deine Pflanzen gar nicht einzusprühen. Ein besonderer Mehrwert hat das Ansprühen sowieso nicht, weil Pflanzen das Wasser in Form von Wasserdampf in der Luft benötigen und nicht als flüssiges Wasser auf dem Blatt.
Und wie siehts nun im Winter aus?
Für den Winter gelten die Punkte im Prinzip genauso. Im Vergleich zum Herbst solltest du …
… noch weniger und seltener gießen,
… die Düngergabe noch mehr reduzieren,
… die Luftfeuchtigkeit stark erhöhen,
… und deinen Pflanzen so viel Licht zur Verfügung stellen, wie es geht.
Außerdem ist es wichtig, dass du deine Pflanzen-Buddys im bitterkalten Winter aus unbeheizten Räumen, wie z.B. den Fluren, in wärmere Zimmer umräumst, sodass sie nicht erfrieren.
Fazit: Der Herbst bringt nicht nur bunte Blätter, sondern auch neue Herausforderungen für deine Zimmerpflanzen. Jetzt heißt es: weniger Wasser, weniger Dünger und vor allem Vorsicht mit der Heizung! Trockene Luft mögen Spinnmilben nämlich leider besonders gerne, also beachte unsere Tipps, um die Luftfeuchtigkeit zu erhöhen. Deine Pflanzen brauchen außerdem mehr Nähe zum Fenster, damit sie genug Licht bekommen. Und Umtopfen? Lieber nicht mehr, es sei denn, dein Grünling explodiert vor Wachstum, weil er z.B. unter Kunstlicht steht.
Also lehn dich zurück und gönn auch deinen Pflanzen eine wohlverdiente Pause. Sie müssen jetzt nicht mehr auf Hochtouren wachsen, sondern nur fit bleiben bis zum Neustart im Frühling. Mit ein paar Anpassungen überstehen sie die dunklere Jahreszeit problemlos und bescheren dir währenddessen ein erholsames, grünes Zuhause.
Literaturverzeichnis
Seipel, H. (2009): Fachkunde für Gärtner. 8., aktualisierte und überarb. Aufl. Hamburg: Büchner.
Uhlig, Matthias (2005): Kakteen & andere Sukkulenten. [Schritt für Schritt zu prachtvollen Pflanzen; so blühen und gedeihen Kaktus & Co; die beliebtesten Pflanzen für ein schönes Zuhause]. 1. Aufl. München: Gräfe und Unzer (GU Pflanzenpraxis).
Wulf Piella (2024): Wann ist Herbstanfang 2024? Swr4. Online verfügbar unter https://www.swr.de/swr4/tipps/herbstanfang-wann-deutschland-meteorologischer-kalendarischer-100.html, zuletzt aktualisiert am 06.09.2024, zuletzt geprüft am 11.09.2024.