Thripse erkennen und bekämpfen
Mit unseren Tipps
Was sind Thripse?
Thripse sind kleine Insekten, die 1-2 mm lang sind. Sie sind flugfähig, aber bei Weitem keine Flugkünstler! Weil sie nur schlecht fliegen können, lassen sie sich häufig vom Wind umherpusten. So können sie über viele Kilometer transportiert werden. Sie ernähren sich von zahlreichen Pflanzenarten, wobei sie sich auf manchen besser vermehren können als auf anderen. Aber halt machen sie leider vor fast nichts.
Für die kleinen Plagegeister gibt es zahlreiche Namen:
- „Fransenflügler“: Thripse besitzen Haarfransen an ihren Flügeln.
- „Blasenfuß“: Sie haben ausstülpbare Haftblasen an ihren Füßen, wodurch sie sich an der Oberfläche, auf der sie sitzen, festhalten.
- „Gewittertierchen“: Bei einem bevorstehenden Gewitter oder bei schwüler Witterung treten die kleinen Insekten oft massenweise auf.
Wusstest du, dass Thripse weltweit zu den bedeutendsten landwirtschaftlichen Schädlingen gehören? Wie du siehst, bist du nicht alleine mit der Herausforderung die Fieslinge von deinen Pflanzen fernzuhalten. Tröstlich, oder?
Thrips ist übrigens nicht gleich Thrips! Es gibt schätzungsweise stolze 8.000 Thrips-Arten, von denen 5.500 beschrieben wurden. In Deutschland kommen ca. 230 verschiedene Arten vor. Unsere geliebten Zimmerpflanzen werden häufig von dem Kalifornischen Blütenthrips (Frankliniella occidentalis) und dem Palmen-Thrips (Parthenothrips dracaenae) befallen. Thripse leben und ernähren sich nicht alle auf die gleiche Art und Weise. Deswegen ist es schwierig, generelle Aussagen über Thripse zu machen. Für manche Arten mögen sie gelten, bei anderen kann es wiederum völlig anders sein. Ein Beispiel: Du kennst Thripse als Insekten, die sich von Pflanzen ernähren. Manche Thrips-Arten haben aber eine völlig andere Lebensweise; sie können sich hauptsächlich von Pilzen, Sporen oder sogar von anderen Insekten ernähren! Du hast richtig gelesen – manche Thrips-Arten leben räuberisch (wie z.B. Marienkäfer oder Raubmilben) und könnten daher sogar als Nützlinge eingesetzt werden. Von ihnen verspeist werden können z.B. Weiße Fliegen, Milben oder andere Thripse.
Thripse auf deiner Haut …
Bestimmt bist du – vielleicht ohne es zu wissen – auch schon auf Tuchfühlung mit Thripsen gegangen. Vor allem kurz vor einem Gewitter sinken die Thripse massenhaft nach unten und können dabei zufällig auf deiner Haut landen. Nicht nur unsere Pflanzen werden von ihnen geplagt: Vor allem wenn du schwitzt, kann es dazu kommen, dass Thripse stechen. Dabei saugen sie kein Blut, sie dringen mit ihren Mundwerkzeugen nur leicht in die Haut ein. Wahrscheinlich finden sie das salzige Hautsekret schmackhaft. Dabei können Mückenstich-ähnliche Rötungen und Schwellungen entstehen. Aus menschlicher Sicht wirklich nicht besonders sympathisch, diese Thripse.
Eine wichtige Anmerkung
Im Folgenden geht es hauptsächlich um den Kalifornischen Blütenthrips. Es ist uns wichtig, darauf hinzuweisen, weil manche Infos, die du hier findest, nicht für alle Thrips-Arten gelten und es sich nicht immer verallgemeinern lässt.
Eine Geschichte …
Wuuusch – ein starker Windstoß bläst ein kleines, braungelbes Weibchen des Kalifornischen Blütenthrips durch ein offenes Fenster hinein. „Wow, hier ist es gemütlich warm und hier steht ganz viel leckeres Grün auf der Fensterbank!“ denkt sich die Thrips-Dame und krabbelt auf die Unterseite eines ganz neuen Blattes einer Monstera. Sie sticht ihren Unterkiefer in das Blatt, saugt mit ihrer Vorrichtung im Oberkiefer Pflanzensaft heraus und stellt fest: „Fantastisch, so viel leckerer Stickstoff, hier kann ich Babies bekommen!“ Sie legt nun 30-60 Eier in dem Blattgewebe ab und snackt weiter. Nach wenigen Tagen schlüpfen ihre hellen Larven und beginnen direkt es ihrer Mutter gleichzutun und saugen fleißig Pflanzensaft. Nachdem der Nachwuchs beide Larvenstadien saugend und wohlernährt hinter sich gebracht hat, prüft er die Bedingungen: „Ist die Luft hier feucht genug, was denkst du?“ fragt die Larve ihr Geschwisterchen. „Ich habe gesucht, ich konnte keine Stelle finden, an der die Luftfeuchtigkeit hoch genug ist!“ entgegnet dieses. „Nun, ich würde sagen, dann lassen wir uns einfach fallen!“ Pluuumps, liegen die Larven auf der Erdoberfläche und wandern ein bisschen tiefer, wo es angenehm feucht ist. „Lass uns hier zur Ruhe setzen!“ – gesagt, getan, ruhen die Larven, die nun sogenannte Nymphen sind, friedlich und ohne zu fressen in der Erde, bis sie erwachsen sind. „Hey, denkst du wir sind fertig?“ fragt die Nymphe ihr Geschwisterchen. „Du siehst gut aus, bist so schön dunkel geworden! Los, lass uns hochkrabbeln, ich hab‘ Hunger!“. Die erwachsenen Thripse krabbeln hoch und beginnen sofort hungrig an den Blättern zu saugen. Nach kurzer Zeit legen sie erneut Eier. Seit ihre Mutter ihre Eier ins Pflanzengewebe abgelegt hat, sind nun zwei bis drei Wochen vergangen.

Halten wir fest:
Erwachsene Thripse und die hellen Larven leben auf Blättern oder Blüten und saugen dort. Die Larven lassen sich bei geringer Luftfeuchte auf die Erde fallen und gehen dort als sogenannte Nymphen in ein Ruhestadium über, in dem sie keine Nahrung aufnehmen. Nach dem Ruhestadium ist der Thrips erwachsen und klettert die Pflanze wieder hoch und beginnt mit dem Saugen und der Vermehrung. Der Zyklus vom Ei bis zum erwachsenen Thrips dauert zwei bis drei Wochen. Übrigens: Thripse können ähnlich wie Blattläuse auch lebendgebären, d.h. statt Eier können sie je nach Umweltbedingungen auch direkt lebende kleine Thripse gebären. Vor allem bei gemütlichen Zimmertemperaturen haben die Fieslinge ein enormes Potential sich in rasantem Tempo zu vermehren.
Nicht behandeln ist keine Option!
Vorausgesetzt, du möchtest deine Pflanze nicht verlieren. Wenn die Thripse sich auf deinem Pflanzenfreund wohlfühlen, werden sie nicht mehr viel von ihm übriglassen. Zudem wandern sie auf deine anderen Pflanzen über. Wenn du deine Grünlinge nicht verlieren möchtest, kommst du um eine Behandlung der Krabbeltiere nicht herum.
Welchen Schaden bereiten Thripse meinen Zimmerpflanzen?
Thripse haben stechend-saugende Mundwerkzeuge, mit denen sie die Pflanzenzellen anstechen und aussaugen. Zudem entstehen bei der Eiablage Verletzungen im Pflanzengewebe, weil die Thripse ihre Eier im Blatt einbetten.
Diese Schäden hinterlassen Thripse auf deinen Grünlingen:
- Durch das Aussaugen tritt Luft in die Zellen ein, wodurch sich ein silbriger Glanz auf der Blattoberfläche bildet.
- Die silbrigen Sprenkel entwickeln sich zu korkigen, braunen Flecken.
- Manche Stellen auf dem Blatt werden gelb und schlussendlich braun und knusprig.
- Bei einem starken Befall kann es sein, dass ganze Blätter abfallen.

Als wäre das noch nicht fies genug, solltest du wissen, dass einige Thrips-Arten (ca. 10 von 5.500) Viren übertragen können. Das klingt jetzt erstmal nicht viel, allerdings gehört der sehr häufig vorkommende Kalifornische Blütenthrips dazu. Er hat die Fähigkeit sogenannte Tospoviren von einer Pflanze auf die andere zu übertragen. Aber keine Sorge, nicht alle Pflanzenarten können von diesem Virus befallen werden. Gefährdete Zimmerpflanzen sind Anthurium, Begonia, Streptocarpus und der Weihnachtsstern. Wenn diese Pflanzen nach einem Thripsebefall seltsame Symptome wie z.B. gelbe oder braune Ringe auf den Blättern zeigen, dann solltest du sie entsorgen. Mit Viren befallene Pflanzen können bisher nicht geheilt werden. Aber nicht nervös werden, es ist nicht sehr wahrscheinlich, dass das passiert, denn um das Virus übertragen zu können, muss der Thrips zuvor an einer anderen, mit dem Tospovirus erkrankten Pflanze gesaugt haben, in deine Wohnung gelangen und dann an deiner Zimmerpflanze saugen.
Thripse können übrigens noch weitere Pflanzenkrankheiten übertragen, wie z.B. die Pilzkrankheit Mehltau.
Auf welchen Pflanzenteilen kann ich Thripse finden?
Hauptsächlich findest du die Plagegeister auf der Blattunterseite entlang der Mittelrippe. Insbesondere an der Ansatzstelle des Blattstiels befinden sich häufig Thripse. Sie können aber auch auf der Blattoberseite sitzen.
Wenn du blühende Pflanzen zuhause hast, dann ist es wichtig, dass du weißt, dass auch die Blüten angestochen werden. Der Kalifornische Blütenthrips (Frankliniella occidentalis) bevorzugt sogar Blüten und ist auch häufig in Knospen zu finden. Auch vor Früchten machen einige Thripse nicht Halt.
Die meisten Thrips-Arten bevorzugen junge, frisch austreibende Blätter gegenüber den älteren, voll entwickelten Blättern. Das hat damit zu tun, dass in jungen Blättern mehr Stickstoff enthalten ist, welchen die Thripse für ihre Ernährung und Fortpflanzung benötigen.
Tipp: Mache dir dieses Wissen bei der Schädlingskontrolle zunutze! Kontrolliere immer zuerst die jüngsten Blätter. Dort können sich die Thripse übrigens auch am schnellsten vermehren.
Wie erkenne ich Thripse?
Thripse sind zwar klein, lassen sich aber bei genauem Hinsehen mit etwas Erfahrung mit dem bloßen Auge erkennen. Sie haben eine längliche Körperform mit zugespitzten Körperenden. Wenn du dir unsicher bist, ob Thripse am Werk sind, dann kannst du ein weißes Blatt Papier unter die Pflanze halten und sie leicht darauf ausschütteln. Wenn du die Thripse einmal erkannt hast, werden sie dir in Zukunft meistens direkt ins Auge stechen, wenn sie irgendwo auf deinen Pflanzen-Buddys herumwüten. Die Larven sind aufgrund ihrer hellen Färbung schwieriger zu erkennen als die dunkleren erwachsenen Thripse. Die Larven sind durchscheinend, beige oder gelblich. Wenn du auf deinen Blättern also helle und dunkle Krabbeltierchen siehst, die beide die typisch länglich-zugespitzte Form haben, dann musst du dir keine Sorgen machen, dass du es mit zwei verschiedenen Schädlingen gleichzeitig aufnehmen musst, denn beides sind Thripse.
Die einfachste Möglichkeit Thripse als solche zu identifizieren …
… sind ihre Kottröpfchen. Wenn du auf deinen Blättern braune bis schwarze lackartige Punkte entdeckst, kannst du dir ziemlich sicher sein, dass Thripse da sind. Die Insekten verstecken sich nämlich manchmal sehr gut auf den Pflanzen, weswegen man sie nicht immer direkt entdeckt – ihre Hinterlassenschaften hingegen schon.
Tipp: Beobachte deine Pflanzen am besten dann, wenn es draußen hell ist oder besser – wenn die Sonne durch die Blätter scheint. Alternativ kannst du deine Handy-Taschenlampe verwenden und (dünne) Blätter durchleuchten. So kannst du die Plagegeister sofort entdecken, egal ob sie auf der Blattunter- oder -oberseite sitzen!
Wie gelangen Thripse in meine Wohnung?
Thripse kommen vor allem im Sommer und vor Gewittern in Massen vor und dadurch schaffen es immer wieder welche durch offene Türen oder Fenster, wo sie durch den Wind hineingetragen werden. Häufig sitzen sie auch auf unserer Kleidung und wir tragen sie selbst mit in unsere Wohnung. Auch über neu gekaufte Pflanzen und bedingt über gekaufte Erde können die kleinen Fieslinge einreisen.
Auch über Schnittblumen und Blumensträuße kann man sich die ungeliebten Gäste in die Wohnung holen. Mir ist es schon zwei Mal passiert, dass ich mir auf den Feldern, auf denen man Schnittblumen selbst schneiden kann, Thripse mit nachhause geholt habe. Selbst wenn die Blüten und Blätter unversehrt erscheinen, können die Schädlinge in den Knospen drinsitzen, wo man sie nicht direkt finden kann.
Was kann ich vorbeugend gegen Thripse tun?
- Regelmäßiger Schädlingscheck: Kontrolle ist das A und O! Inspiziere regelmäßig die Blätter deiner Grünlinge, sowohl von unten als auch von oben. Bei dünnlaubigen Pflanzen kannst du das Blatt ins Licht halten, so erkennst du die Thripse ziemlich schnell. Denk daran die Blüten deiner Pflanzenbuddys zu checken! Ich hatte kürzlich immer mal wieder einige Thripse auf meinen Pflanzen am Ostfenster und habe mich gewundert, wo sie herkamen. Nach einigen Tagen habe ich gesehen, dass die unscheinbaren Blüten meiner Anthurium clarinervium als Kinderstube für den Thrips-Nachwuchs ausgewählt wurden.
- Neemöl spritzen: Neemöl hat eine fraßabschreckende Wirkung und der Wirkstoff verbleibt noch eine Weile nach dem Sprühen auf und in den Blättern (translaminares Pflanzenschutzmittel). Ein regelmäßiges Einsprühen der Blätter kann also helfen einem Befall vorzubeugen.
- Fliegengitter an den Fenstern: Ja, die Maschenweite von gängigen Fliegengittern (1,0 - 1,4 x 1,0 - 1,4 mm) ist zu groß, Thripse passen da noch durch. Aber nur der Länge nach. Wie wir ja gelernt haben, fliegen die Thripse sehr schlecht und lassen sich daher meist vom Wind tragen. Wenn sie also quer oder an dem Netz auftreffen, hält das Fliegengitter sie ab. Ich habe an allen Fenstern und an der Balkontür Fliegengitter und seitdem habe ich deutlich weniger Thripse. Ein paar kommen zwar hin und wieder hinein, aber es hat sich seitdem stark reduziert.
- Pflanzengesundheit: Geschwächte Pflanzen sind anfälliger gegenüber Thripsen. Wenn die Pflanzenabwehr geschwächt ist, können sich die ungebetenen Gäste deutlich (!) schneller vermehren und richten in kurzer Zeit beträchtlich mehr Schaden an. Achte darauf, dass deine Pflanzenfreunde ausreichend Licht bekommen, nicht überdüngt sind und keiner Zugluft, Kälte, Wassermangel oder -überschuss ausgesetzt sind.
- Angepasste Düngung: Thripse stehen auf Stickstoff! Das ist ein Hauptnährstoff, den Pflanzen benötigen und der in jedem Volldünger enthalten ist. Je mehr Stickstoff in den Blättern vorhanden ist, desto besser und schneller können sich die Thripse auf deinem Pflanzen-Buddy vermehren. Wenn die Thripse in deiner Pflanzenwelt überhandnehmen und falls du gleichzeitig relativ häufig düngst, empfehlen wir dir, das Düngen für eine Zeit lang einzustellen. Wenn du sowieso sehr selten düngst, ist der Punkt für dich nicht wichtig. Dünge wieder, wenn du bemerkst, dass die älteren Blätter deiner Grünlinge gelb werden. In einem Substrat mit hohem Holzfaseranteil kann der Stickstoffmangel übrigens schneller entstehen als in Erden mit wenig Holzfasern. Tipp: Der Nährstoff Kalium sorgt dafür, dass die Widerstandfähigkeit deiner Pflanzenfreunde besser wird, weil er das Gewebe stärkt. Einen kaliumbetonten Dünger kannst du also weiterhin verwenden, wenn viele Thripse auf deinen geliebten Pflanzenfreunden herumwüten.
An meinen Pflanzen sind bereits Thripse! Was sind meine ersten Schritte?
Bevor es an die Bekämpfung geht, solltest du folgende Dinge beachten:
- Isoliere deinen befallenen Pflanzen-Buddy direkt. Du kannst ihn in die Dusche stellen und abbrausen, wodurch du die Thripsezahl reduzieren kannst. Ziehe am besten eine Plastiktüte über den Topf, damit du die Thripse nicht in die Erde spülst. Alternativ kannst du deinen befallenen Pflanzenfreund in eine durchsichtige Plastiktüte einwickeln. So können die Thripse nicht auf andere Pflanzen überspringen.
- Kontrolliere deine anderen Zimmerpflanzen. Thripse können von Pflanze zu Pflanze fliegen, weswegen es wichtig ist, dass du alle befallenen Pflanzen isolierst und behandelst. Blaue Klebetafeln zwischen deinen Pflanzen helfen dir dabei, den Befall schnell zu erkennen.
- Schneide alle stark befallenen Blätter ab. So kannst du eine weitere Ausbreitung durch die Eier, die der Thrips in dem Blatt abgelegt hat, verhindern. Die unschönen Saugspuren verschwinden ohnehin nicht mehr.
Cooler Bekämpfungstrick bei Stecklingen und kleinen Pflanzen
Du kannst deinen kleinen Pflanzenfreund auf Tauchkurs schicken! Bei Stecklingen, die noch nicht mit Erde in Berührung kamen, klappt das besonders einfach, aber auch kleinere Pflanzen kannst du von Erde befreien und sie in einer Schüssel mit Wasser für mehrere Stunden komplett untertauchen. Bitte beachte, dass deine Pflanze großem Stress ausgesetzt ist, wenn du die Wurzeln ganz von Erde befreist. Das können wir nur im worst case empfehlen.
Gebe ein wenig Spülmittel hinzu und verrühre es im Wasser, so brichst du die Oberflächenspannung des Wassers. So ersticken die erwachsenen Thripse und Larven. Fraglich bleibt, ob die Eier auch erwischt werden. Kontrolliere daher deine Pflanze nach der Behandlung und wiederhole sie ggfls. Auch Neudosan eignet sich für die Tauchexpedition deiner Grünlinge.
Achtung, das Spülmittel kann die Wachsschicht auf den Blättern beeinträchtigen. Leider ist es aber nötig, dass die Thripse zuverlässig verenden. Manche Pflanzen-Buddys könnten daher von der Behandlung in Mitleidenschaft gezogen werden. Der Vorteil der Behandlung ist, dass du keine Pflanzenschutzmittel brauchst und dass du sie bei unbewurzelten Stecklingen einsetzen kannst.
Wie kann ich die Schädlinge wieder loswerden?
Vielleicht hast du schon drölftausend Mittel ausprobiert und bist mittlerweile frustriert oder besorgt, dass du deine Pflanzen entsorgen musst. Wir können dir Mut machen, denn wenn du konsequent bist und die Anwendung richtig durchführst, kannst du die Endgegner komplett von deinen geliebten Pflanzen entfernen.
Einsprühen/Spritzen Die Thripse verstecken sich häufig an Stellen, an denen die Spritzlösung nicht hinkommt. Wichtig für eine erfolgreiche Behandlung ist aber, dass die Thripse mit der Lösung in Kontakt kommen. Zudem sind die Eier im Blatt eingebettet und werden unter Umständen nicht getroffen, ebenso wie die Nymphen, die sich in der Erde zum erwachsenen Thrips umwandeln. Du kannst viele Mittel zum Spritzen verwenden (Neemöl, Rapsöl, Neudosan, etc.), wichtig für eine erfolgreiche Behandlung ist vor allem folgendes:
- Wiederhole das Einsprühen mehrfach im Abstand von drei bis fünf Tagen. So erwischst du auch die aus den Eiern schlüpfenden Larven und die aus der Erde kommenden Erwachsenen.
- Sprühe alle Pflanzenteile (vor allem die Blattunterseiten) flächendeckend & tropfnass ein.
- Kontrolliere deine Pflanzen nach der Behandlung für eine Weile täglich. Konsequenz ist hier wichtig für den Erfolg der Behandlung. Falls noch einige letzte Thripse oder Larven ihr Unwesen treiben, zerdrücke sie mit dem Finger.
Resistenzen – ein wichtiges Thema
Vor allem bei dem Kalifornischen Blütenthrips sind schon viele Resistenzen bekannt. Dadurch kann es sein, dass die Thripse von bestimmten Pflanzenschutzmitteln weitestgehend unbeeindruckt bleiben. Um Resistenzen zu vermeiden, sollte man generell verschiedene Wirkstoffe einsetzen, statt immer nur einen. Wechsle daher öfter auch mal ab und halte dich an die in der Gebrauchsanweisung angegebene Konzentration. Blautafeln – ein Must-Have! Blautafeln oder -sticker können zwischen den Pflanzen aufgehängt werden. Viele Thrips-Arten fühlen sich von der blauen Farbe stärker angezogen als von anderen Farben. Sie bleiben dann an den Blautafeln kleben. Der Farbton sollte ein ganz bestimmter sein, es sollte ein helleres, leicht entsättigtes Blau sein. Dunkelblau wirkt bei Thripsen vermutlich nicht besser als Gelb. Du kannst Blautafeln einerseits zur Überwachung, also zur leichteren Erkennung eines Befalls, verwenden, als auch zur Befallsminderung. Als alleiniges Bekämpfungsmittel reichen sie jedoch nicht aus.
Nützlinge gegen Thripse
Es gibt eine Reihe von Nützlingen, die du gegen Thripse einsetzen kannst. Bitte beachte, dass Nützlinge eine Schädlingspopulation selten zu 100 % auslöschen. Wenn du Thripse aber komplett loswerden möchtest, ist es wichtig, dass du die Pflanzen kontrollierst und wenn die Nützlinge fertig sind, die Blätter täglich kontrollierst und letzte Thripse mit dem Finger zerdrückst. Alternativ kannst du die Nützlinge auch dauerhaft in deiner Wohnung halten bzw. sie regelmäßig nachkaufen. Wenn du die Thripse mit Nützlingen in Schach halten möchtest, ist es wichtig, dass du verschiedene Arten gleichzeitig eingesetzt, nämlich solche, die die ruhenden Thrips-Nymphen im Boden bekämpfen und solche die die erwachsenen Thripse und deren Larven auf den Blättern wegsnacken.
Folgende Nützlinge kannst du gegen Thripse einsetzen:
- Raubwanzen (Orius spp.): Orius insidiosus bevorzugt Thripslarven, frisst aber auch gerne erwachsene Thripse. Raubwanzen benötigen eine Luftfeuchtigkeit von über 70 % und können in Mitteleuropa nur von März bis Ende August eingesetzt werden, weil sie sich bei kurzer Tageslänge nicht vermehren.
- Raubmilben: Es gibt Raubmilben, die auf der Pflanze leben und welche, die im Boden leben. Die in der Erde ruhenden Thrips-Nymphen kannst du mit der Raubmilbe Hypoaspis miles bekämpfen, die Larven auf dem Blatt z.B. mit Raubmilben der Gattung Amblyseius. Eingesetzt werden kann Amblyseius (Neoseiulus) cucumeris, Amblyseius degenerans und Amblyseius swirskii. A. swirskii soll wirksamer sein als die anderen beiden Amblyseius-Arten. Amblyseius (Neoseiulus) cucumeris brauchen hohe Temperaturen (über 18 °C, optimal 25 °C) und hohe Luftfeuchtigkeit (über 60 %, optimal 75-80 %). Eine Milbe verspeist ca. 30 Thripslarven. Die erwachsenen Thripse sind den Milben zu groß.
- Nematoden: Gegen die Thrips-Nymphen in der Erde kannst du SF-Nematoden gießen (Steinernema feltiae).
- Weitere Nützlinge: Thripobius semiluteus (Schlupfwespenart), Franklinothrips vespiformis (räuberischer Thrips) und Chrysoperla carnea (Florfliegenlarven).
Weitere Infos zu Nützlingen und wie man sie anwendet, findest du hier: Nützlinge – Die natürliche Schädlingsbekämpfung
Welche Bekämpfungs-Kombinationen sind empfehlenswert?
Da Thripse Stadien haben, die auf dem Blatt (Larven und Erwachsene) und in der Erde leben (Nymphen) empfehlen wir dir mindestens zwei verschiedene Nützlinge. Die Stadien auf dem Blatt können vor allem von Orius spp. (Raubwanzen) und Amblyseius spp. (Raubmilben) verspeist werden, in der Erde können sich Steinernema feltiae (SF-Nematoden) und Hypoaspis spp. (Raubmilbe) ans Werk machen.
Orius spp. (Raubwanzen), Amblyseius spp. (blattbewohnende Raubmilben) und Hypoaspis spp. (bodenbewohnende Raubmilben): Sie können sich gegenseitig gut unterstützen.
Steinernema feltiae (SF-Nematoden) und Amblyseius spp. (blattbewohnende Raubmilben): Der Einsatz von Nematoden zusammen mit der blattbewohnenden Milbe Amblyseius (Neoseiulus) cucumeris führte in einer Studie zu einer Thrips-Sterblichkeit von 83 %. Die Rate war deutlich höher, als wenn die Nützlinge einzeln eingesetzt wurden.
Steinernema feltiae (SF-Nematoden) und Hypoaspis aculeifer (bodenbewohnende Raubmilbe) bekämpfen die Thrips-Nymphen zu 71-82 %. Die Nematoden allein kommen auf 46-61 % und die Milben allein auf 46 %. Gemeinsam sind sie stark!
Vorsicht bei der Kombination Hypoaspis miles (bodenbewohnende Raubmilbe) mit Steinernema feltiae (SF-Nematoden): Forscher fanden heraus, dass sich die Raubmilbe Hypoaspis miles von den Nematoden ernähren kann.
Bitte beachte auch, dass sich nicht jedes Mittel, mit dem du deine Pflanzen-Buddys einsprühst, mit den Nützlingen verträgt. Auf der Verpackung des Mittels findest du die Angabe, ob Nützlinge parallel eingesetzt werden können oder ob du nach dem Sprühen noch eine Weile warten musst, bis du die fleißigen Helferlein auf deinen Pflanzenfreunden platzieren kannst.
Weitere Tipps bei Thripsen
Die Recherche hat ergeben, dass Rosmarinblätter abstoßend auf den Kalifornischen Blütenthrips wirken. Damit haben wir zwar keine persönlichen Erfahrungen, dennoch ist es mal einen Versuch wert, Rosmarinpflanzen oder -blätter zwischen deinen Pflanzenfreunden zu platzieren. Berichte uns gerne davon, wenn du es ausprobiert hast oder bereits Erfahrungen damit gemacht hast.
Nicht zu unterschätzen ist das Entfernen der Thripse mit der Hand. Wenn du einen Befall hast, kannst du die Thripse auf dem Blatt zerdrücken.
Muss ich meine Pflanzen bei einem Thripsebefall umtopfen?
Von einem Umtopfen raten wir dir eher ab. Bei einem Befall mit den Fieslingen ist dein Pflanzen-Buddy ohnehin schon gestresst. Beim Umtopfen müsste man die Wurzeln völlig von der Erde befreien, um sicherzugehen, dass keine Thrips-Nymphen mehr da sind. Das stresst die Zimmerpflanze zusätzlich. Unbedingt nötig ist ein Umtopfen sowieso nicht, weil du, wenn du das Einsprühen mehrfach wiederholst, auch die aus der Erde nachkommenden Thrips-Nymphen erwischst. Du kannst auch Nützlinge wie SF-Nematoden oder Hypoaspis spp. einsetzen, um die Nymphen in der Erde loszuwerden.
Der Mythos mit der Luftfeuchtigkeit
Immer wieder liest man, dass es hilfreich für die Bekämpfung von Thripsen ist, wenn man im Innenraum die Luftfeuchtigkeit erhöht. Bei Spinnmilben stimmt das, bei Thripsen jedoch nicht. Es ist ein Mythos, dass das Erhöhen der Luftfeuchtigkeit, z.B. durch einen Luftbefeuchter oder das vorübergehende Einpacken in eine Tüte, die Thripse reduzieren kann. Halt dich fest: Sogar das Gegenteil ist der Fall! Thripse, die sich im letzten Larvenstadium befinden, lassen sich zumeist nur dann auf die Erde herunterfallen, wenn die Luftfeuchtigkeit unter 80 % liegt. Studien haben gezeigt, dass genau dieser Wert ein Schwellenwert bei Thripsen ist, denn diese 80 % benötigen viele Arten nämlich, um erfolgreich in ihr Ruhestadium einzutreten zu können. In der Erde können diese 80 % erreicht werden, weswegen sie sich dort hineinfallen lassen und zur Ruhe setzen, bis sie erwachsen sind. Wenn du – rein hypothetisch – die Luftfeuchtigkeit in deiner Wohnung auf über 80 % erhöhen würdest, hätte das lediglich zur Folge, dass die Plagegeister sich überwiegend nicht in die Erde fallen lassen, sondern während dem Ruhestadium auf den Blättern deiner Pflanzen-Buddys bleiben. Das Hochkrabbeln hätten sie sich also gespart, ergo würdest du die Fieslinge mit einer höheren Luftfeuchtigkeit sogar eher unterstützen als bekämpfen. Zudem ist dir vielleicht schon bewusst, dass 80 % Luftfeuchtigkeit in der Wohnung schwer zu erreichen ist und auf Dauer vermutlich zu Schimmel führen kann. So, jetzt weißt du Bescheid. Gib diese Info gerne weiter, damit nicht noch mehr Plantaddicts erfolglos versuchen, Thripse mit höherer Luftfeuchtigkeit zu bekämpfen.
Nice to know: Pollen fördert die Fruchtbarkeit von Thripsen!
Zu bestimmten Zeiten im Jahr ist der Pollenflug so intensiv, dass auf sämtlichen Autos eine dichte Schicht gelblicher Pollen liegt. Auch deine geliebten Garten- und Balkonpflanzen werden dann eingepudert. Wenn es dann länger nicht regnet, sind die Thripse im Paradies! Denn wenn Pollen vorhanden ist, können sich die Schädlinge selbst auf solchen Pflanzenarten vermehren, auf denen es ohne die Pollenschicht nicht so gut möglich wäre. Wenn deine Garten- oder Balkonpflanzen häufiger mal von Thripsen befallen sind, empfehlen wir dir daher die Blätter abzubrausen, sodass der Pollen abgewaschen wird. Dadurch kannst du verhindern, dass sich die Thripse seeehr intensiv vermehren. Ein Ausblick – Für die Bekämpfung gibt es Hoffnung Es gibt einige Pilze, von denen die Thripse befallen werden können, die man für die Bekämpfung einsetzen kann. Cool, oder? Das sind z.B. Beauveria bassiana und Metarhizium anisopliae. Die Pilzsporen haften an der Cuticula des Thripses, keimen, dringen in ihn ein und breiten sich dort aus – dabei stirbt der Thrips. Leider ist diese Methode zurzeit nur für gewerblichen Gebrauch zugelassen. Aktuell wird daran geforscht, dass man Nützlinge mit den thrisschädigenden Pilzen beimpft, sodass Nützlinge UND Pilze gleichzeitig gegen die Thripse wirken. Das nennen wir mal biologischer Pflanzenschutz next level! Wir dürfen hoffnungsvoll sein, dass es in Zukunft wirksame biologische Bekämpfungsmöglichkeiten gegen die hartnäckigen Thripse gibt.
Zum Schluss noch etwas Positives zu den Thripsen
Okay wir sind uns einig: Für jeden Plantaddict sind die kleinen Blödmänner unangenehm und lästig. Schließlich ruinieren sie uns die wunderschönen Blätter unserer geliebten Pflanzenfreunde, um die wir uns so liebevoll kümmern. Daher wollen wir zum Schluss mal zwei positive Aspekte der Thripse droppen, um ein ausgewogeneres Bild über die Insekten zu bekommen (und um sie nicht ganz sooo sehr zu hassen).
- Positiver Fakt #1: Thripse gelten als urzeitliche Bestäuber, sie dienen der Pflanzenwelt wohl schon lange (vermutlich eher indirekt) als Bestäuber und sorgen so dafür, dass die Pflanzen sich weiter vermehren. Und diesen Job machen sie schon sehr, sehr lange. Forscher vermuten sogar, dass die Thripse zu den ältesten Bestäubern von Pflanzen überhaupt gehören.
- Positiver Fakt #2: Manche Thrips-Arten, so z.B. der Kalifornische Blütenthrips, reduziert seine Saugaktivität um ca. die Hälfte, wenn Eier der Spinnmilbe (Tetranychus urticae) vorhanden sind. Solltest du also in den absolut fantastischen Genuss kommen, dass sich Thripse UND Spinnmilben gleichzeitig auf deinen Grünlingen befinden, weißt du, dass sich nicht beide Populationen nahezu unkontrolliert stark vermehren, sondern dass die Thripse dir helfen, die Spinnmilben zu reduzieren und dabei deinen Grünlingen nur halb so viel Schaden zufügen. Bekämpfen musst du die beiden natürlich trotzdem, aber die Situation eskaliert nicht so schnell, wie man zuerst vermuten könnte.
Du bist nun am Ende dieses Blogs angekommen und weißt nun alles, was du über Thripse wissen musst. Auf dieser Basis wirst du zur Bezwingerin der kleinen Fieslinge und kannst deine Pflanzen mit ihren wunderschönen Blättern vor ihnen retten. Gib uns gerne Feedback, wie es bei dir geklappt hat und melde dich bei uns, wenn du Fragen hast.
Literaturverzeichnis
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