Mykorrhiza macht deine Pflanzen stark!
Die Pilzwurzel
Mykorrhiza – Eine echte Power-Allianz!
Mykorrhiza, das klingt ein bisschen wie ein Zauberspruch aus einem Fantasy-Roman, oder? Es bedeutet einfach „Pilzwurzel“ und beschreibt eine ziemlich coole Freundschaft zwischen Pilzen und Pflanzenwurzeln. Diese Freundschaft ist schon uralt – sie begann vor etwa 450 Millionen Jahren! Sie wird auch Symbiose genannt – im Fall der Mykorrhiza profitieren beide Partner von dieser Lebensgemeinschaft.
Mykorrhiza-Pilze hätten in dieser Beziehung eindeutig den Titel „best buddy“ verdient! Denn diese unscheinbaren Pilz-Freunde machen einen Großteil der landlebenden Pflanzen zu den ultimativen Überlebenskünstlern im Boden! Aber was genau passiert da unter der Erde? Nun, es ist so: Mykorrhizapilze haben superdünne Fäden, die sogenannten Hyphen. Diese sind viel feiner als Pflanzenwurzeln und können dadurch sehr gut in die kleinen und engen Ecken des Bodens vordringen, wo die Wurzeln alleine nicht hinkommen. Diese Hyphen erweitern also quasi die Reichweite der Wurzel und helfen ihr, mehr Wasser und Nährstoffe wie Phosphor und Stickstoff zu finden. Ziemlich genial!
Wie funktioniert diese Symbiose zwischen Pflanzenwurzel & Pilz?
Stell dir vor, du hättest deinen eigenen privaten Koch, der sich nur um deine Ernährung kümmert. Er kauft für dich ein und kocht für dich. Genau das machen Mykorrhiza-Pilze für Pflanzen! Sie sind wie das unersetzliche All-you-can-eat-Buffet für Pflanzenwurzeln, das die Nährstoffaufnahme auf ein ganz neues Level hebt. Anstatt sich alleine durch den Boden zu wühlen, um Nährstoffe zu finden, geben diese Pilze den Wurzeln eine superschnelle Zugangskarte zu Phosphaten und anderen wichtigen Mineralien.
Dein Koch versorgt dich jedoch nicht umsonst! Für seine großartigen Dienste gibst du ihm Zucker. Soll heißen: Die Pilze sind auf den Zucker der Pflanzen aus! Deswegen geben die grünen Gewächse bereitwillig etwa 10-30 % ihrer gesamten Zuckerproduktion an die Pilze ab – als Lohn für deren wertvolle Dienste.
So hat der Pilz was zu essen, um zu wachsen und sich zu vermehren, und die Pflanze bekommt im Gegenzug die Nährstoffe und das Wasser, die er für sie findet. Eine echte Win-Win-Situation!
Nice to know: Die Pilze, wie wir sie kennen, sind nur die Fruchtkörper. Der leckere Steinpilz, der gerne auf unseren Tellern landet, ist also nur das Vermehrungsorgan des Pilzes, vergleichbar mit den Blüten der Pflanze. Der eigentliche Pilz befindet sich unter der Erde und besteht aus einem feinen Geflecht von Pilzfäden, die, wie du weiter oben bereits gelernt hast, Hyphen heißen. Diese sehr feinen Fäden bilden ein Netz, das sich im Boden ausbreitet und die Nährstoffe heranschafft.
Vorteile der Symbiose – Warum sollte ich Mykorrhiza für meine Pflanzen verwenden?
Du kannst Mykorrhiza-Pilze in der Erde deiner Pflanzen-Buddys ausbringen, sie profitieren von der Symbiose aus vielen verschiedenen Gründen!
Hier sind die Vorteile:
- Die Wasseraufnahme verbessert sich. Zudem sind deine Mykorrhiza-Pflanzen toleranter gegenüber Trockenheit. Das macht das Gießen bei Zeitmangel entspannter für dich.
- Nährstoffe, insbesondere Phosphor, werden besser aufgenommen. Dadurch kann sich das Wachstum deiner Pflanzen verbessern und der Chlorophyll-Gehalt kann zunehmen. Mykorrhiza-Pflanzen wuchsen in Studien höher und kompakter, hatten mehr Seitentriebe und größere Blüten. Zudem hatten sie mehr Blätter, die zusätzlich größer waren als bei Pflanzen ohne Mykorrhiza.
- Auch das unterirdische Wachstum wird durch die Pilz-Symbiose gefördert. In einer Studie hatten Thaumatophyllum (ehemals Philodendron) bipinnatifidum mit Mykorrhiza deutlich längere Hauptwurzeln, einen größeren Wurzeldurchmesser, mehr Wurzelspitzen, mehr Wurzeloberfläche und ein höheres Gesamtwurzelvolumen. Wow!
- Schadstoffe können von den Pilzen gefiltert werden. Sie fungieren (:D) also als persönlicher Schutzengel deiner geschätzten Pflanzen.
- Deine Pflanze ist toleranter gegen Schädlinge und unheilvolle Pilze.
- Ein zu niedriger pH-Wert im Substrat kann besser von deinem Pflanzen-Buddy toleriert werden.
Unsere Zimmerpflanzen & Mykorrhiza
Viele unserer Zimmerpflanzen-Arten sind dazu befähigt, die Pilz-Freundschaft einzugehen. Da die meisten unserer Grünlinge nicht verholzt sind, gehen sie überwiegend eine arbuskuläre Mykorrhiza ein. Was das bedeutet und welche Pilz-Arten du benötigst, erfährst du im nachfolgenden Kapitel.
Ein Großteil unserer geliebten Zimmerpflanzen stammt aus der Familie der Aronstabgewächse. Innerhalb dieser Familie können einige Arten die Symbiose eingehen und einige nicht. Vor allem die epiphytischen Arten, also die die auf einem Baum leben oder diesen emporklettern, z.B. die Efeutute, wiesen in Studien keine Mykorrhiza aus. Aronstab-Arten die terrestrisch leben, also in der Erde, gingen die Symbiose ein. Das waren z.B. Amorphophallus spp., Anthurium spp., Caladium sp., Dieffenbachia sp. und Syngonium podophyllum. Dieses Prinzip lässt sich auch auf Philodendren übertragen, so zeigte z.B. terrestrische Thaumatophyllum (ehemals Philodendron) bipinnatifidum eine Symbiose und der kletternde Philodendron ornatum nicht.
Begonien scheinen ebenfalls dazu in der Lage zu sein, die Pilz-Freundschaft einzugehen, denn eine Studie zeigte, dass Begonia × semperflorens-cultorum erfolgreich eine Mykorrhiza entwickeln konnte.
Bei den Pfeilwurzgewächsen, zu denen die beliebten Calatheas (neuer Name Goeppertia) gehören, gehen auch viele (aber nicht alle!) Arten die Symbiose mit Pilzen ein, z.B. Calathea stromata, Ctenanthe oppenheimiana, Maranta bicolor und Stromante sanguinea.
Welcher Pilz für welche Pflanze? Mehr über die unterschiedlichen Mykorrhiza-Typen
Wir unterscheiden hier zwei grundsätzliche Typen, die jeweils andere Pilz- und Pflanzenpartner haben. Wenn du deine Pflanzen mit Mykorrhiza unterstützen möchtest, bist du mit diesem Guide genau richtig, um den passenden Pilz für deine Pflanze auszuwählen.
Typ #1: Ektomykorrhiza – Der Pilz-Mantel für unsere Baumfreunde
- Was bedeutet Ektomykorrhiza? Ekto ist griechisch und heißt „außen“. Im Falle der Ektomykorrhiza bedeutet dies, dass die Pilzfäden außerhalb der Pflanzenzellen wachsen. Der Pilz wächst um die Seitenwurzel herum und bildet einen „Überzug“, der ein bisschen wie ein dicker, gemütlicher Pilzmantel aussieht.
- Welche Pflanzen besitzen Ektomykorrhiza? Ektomykorrhizen sind vor allem bei Sträuchern und Bäumen wie Kiefern, Fichten, Eichen und Buchen zu finden.
- Welche Pilze bilden Ektomykorrhiza? Die Pilzpartner der Ektomykorrhiza lassen sich ebenfalls in gemäßigten Wäldern finden. Sie gehören zu verschiedenen Gruppen wie z.B. zu den Agaricales (z.B. Champignons), den Boletales (z.B. Steinpilze) und den Cantharellales (z.B. der Echte Pfifferling).
- Bedeutung von Ektomykorrhiza: In der Natur sind Ektomykorrhizen unerlässlich. Ohne sie könnten viele Bäume in den Wäldern nicht wachsen, denn man konnte feststellen, dass eine pilzfreie Aufzucht der Bäume zu einem Kümmerwuchs führte! Unglaublich, wie wichtig die Pilze für unsere Wälder sind! Also, wenn du das nächste Mal durch den Wald schlenderst, denk daran: Jeder Baum da draußen könnte einen Pilzmantel an der Wurzel tragen, der ihm ermöglicht, groß und stark zu werden!
Typ #2: Arbuskuläre Mykorrhiza – Der Pilz, der sich in den Wurzeln einrichtet Was bedeutet arbuskuläre Mykorrhiza?
Die Pilze dieses Mykorrhiza-Typs wachsen nicht wie ein Mantel um die Wurzeln herum, sondern bevorzugen es, sich gemütlich innerhalb der Wurzelzellen einzurichten, quasi wie ein richtiger Mitbewohner. Somit gehören arbuskuläre Mykorrhizapilze zur Endomykorrhiza (endo = innen). Der Name „arbuskulär“ kommt von den kleinen, verzweigten Strukturen, die der Pilz innerhalb der Wurzelzellen ausbildet. Diese sogenannten Arbuskel sehen aus wie winzige Bäumchen. Sie scheinen die Orte der Nährstoffübertragung zwischen Pilz & Pflanze zu sein.
Welche Pflanzen besitzen arbuskuläre Mykorrhiza? Man findet sie bei den meisten nicht-verholzten, also krautigen Pflanzen, zu denen auch unsere Zimmerpflanzen gehören. Die meisten Samenpflanzen und Farne gehen diesen Typ von Mykorrhiza ein. Einige holzige Vertreter sind auch mit an Bord, z.B. die Eibe und der Ginkgo sowie viele tropische Bäume.
Welche Pilze bilden arbuskuläre Mykorrhiza? Weltweit wird dieser Mykorrhiza-Typ ausschließlich von Vertretern der Glomeromycota gebildet. Den Namen dieser Abteilung brauchst du dir nicht zu merken, wichtig ist nur, dass du weißt, dass diese Pilze keine typischen Hutpilze wie z.B. der Stein- oder der Fliegenpilz ausbilden! Wichtige Arten sind z.B. Rhizophagus intraradices, Claroideoglomus etunicatum und Funneliformis mosseae. Früher hießen sie alle Glomus, weswegen du sie oftmals noch unter diesem alten Namen findest.
Bedeutung: Die Glomeromycota sind sehr wichtige Mykorrhizapilze. Sie werden auch in der Landwirtschaft eingesetzt, um das Wachstum unserer Nutzpflanzen zu fördern und die Bodenqualität zu verbessern.
Es gibt noch andere Mykorrhiza-Typen, auf die wir hier nur kurz eingehen wollen. Ein weiterer ist z.B. die Endomykorrhiza, die sich bei den Orchideen findet. Die Samen der Orchideen sind winzig klein, weil sie kein eigenes Nährgewebe besitzen. Um Keimen zu können, ist der Orchideen-Same deswegen auf einen Pilz angewiesen. Dieser wird zum „Ammenpilz“, der der Baby-Orchidee alles bringt, was sie braucht, während sie wächst, um auf eigenen Füßen … oder Wurzeln stehen zu können.
Der Vollständigkeit halber wäre nun noch die Mischform zwischen den beiden Typen nennenswert, die sogenannte Ektendomykorrhiza. Besonders bei Fichten (Picea spp.) und Kiefern (Pinus spp.) sind diese Pilze aktiv. Sie arbeiten sowohl außerhalb als auch innerhalb der Wurzelzellen.
Welche Pflanzen verbrüdern sich mit Pilzen und welche nicht?
Man könnte meinen, dass eine solche Symbiose eine Seltenheit ist. Aber weit gefehlt! Schätzungsweise 80-90 % aller Landpflanzen gehen diese besondere Freundschaft mit Pilzen ein! Man kann sogar sagen, dass die Natur ohne Mykorrhiza ziemlich aufgeschmissen wäre. Diese Partnerschaft ist unter natürlichen Bedingungen überall zu finden, also überhaupt nichts Ungewöhnliches.
Die meisten Pflanzen auf dieser Welt sind ziemlich gesellig und genießen die Vorteile einer Mykorrhiza-Symbiose. Aber es gibt auch ein paar, die lieber allein durch den Boden ziehen. Jeder hat eben seine eigene Strategie, um im Pflanzenleben klarzukommen!
Fangen wir mal mit den geselligen Typen an: Ein Großteil der Pflanzen, die an Land leben, darunter fast alle wichtigen Kulturpflanzen, sind große Fans von Mykorrhiza. Sie lassen die Pilzhyphen ihre Wurzeln besiedeln und profitieren von den ganzen Nährstoffen, die der Pilz für sie heranschleppt. Bäume sowie fast alle Blütenpflanzen sind treue Anhänger dieser Symbiose. Bei den Nadelbäumen sind sogar alle mit dabei!
Aber dann gibt es da noch die Einzelgänger, die die Symbiose selten oder nie eingehen:
Pflanzen aus der Familie der Kreuzblütler (Brassicaceae), also z.B. Brokkoli, Blumenkohl, Senf, Rucola und Radieschen.
Gewächse aus der Familie der Fuchsschwanzgewächse (Amaranthaceae), z.B. Spinat, Rote Beete, Zuckerrübe, Mangold und Quinoa.
Macadamia-Nüsse, die aus der Familie der Silberbaumgewächse (Proteaceae) kommen, haben ebenfalls meistens keine Lust auf diese ganze Pilz-Geschichte. Auch Wasserpflanzen sowie Pflanzen, die in sehr trockenen oder salzigen Böden leben, bleiben lieber solo.
Und dann gibt es noch ein paar Außenseiter wie die Binsen (Juncus spp.), Seggen (Carex spp.) und einige Moose, die sich ebenfalls nicht für die Pilzfreundschaft begeistern können.
Nice to know: Die Symbiose zwischen Pilz & Pflanzenwurzeln wurde übrigens ca. 1885 von einem deutschen Botaniker namens Albert Bernhard Frank entdeckt, als er versuchte, Trüffel zu züchten. Was er dabei fand, war nichts weniger als eine der wichtigsten Symbiosen in der Natur!
Wie finden sich Pilz & Wurzel überhaupt?
Stell dir eine Pflanze vor, die dringend Nährstoffe braucht – sie ist so richtig hungrig! Anstatt sich alleine abzumühen, ruft sie sich den Mykorrhiza-Pilz zur Hilfe. Die Anlockung geschieht mithilfe von speziellen Pflanzenhormonen, den sogenannten Strigolactonen. Der Pilz erkennt die Hormone und macht sich auf den Weg zu der einsamen Pflanzenwurzel. Der Pilz sendet der Pflanze ebenfalls Stoffe, die von ihren Wurzeln erkannt werden. Sobald die Signale stimmen, verbinden sie sich und los geht’s mit der Zusammenarbeit – ein perfektes Team!
Nice to know: Einige Pflanzen, die sich in der Symbiose mit diesen Pilzen befinden, verzichten sogar auf ihre Wurzelhaare. Ja, richtig gehört! Die Pilze übernehmen die Arbeit, die normalerweise von Wurzelhaaren erledigt wird. Die kluge Pflanze benötigt also keine Wurzelhaare, die die Erde durchwühlen. Stattdessen wird das Pilz-Netzwerk zum Supermarkt für die Wurzeln.
Was bedeutet das nun für mich und meine Pflanzen?
Wir empfehlen dir, bei deinen Zimmer- und Balkonpflanzen Mykorrhiza zu verwenden. Auch in deinem Garten kannst du die Mykorrhiza-Pilze als Bodenaktivator ausbringen. Anwenden kannst du ihn z.B. für deinen Rasen, Sträucher, einige Gemüse-Arten und Gartenneuanlagen. Dadurch wird die Bodenfruchtbarkeit in deinem Garten gefördert.
Keine Sorge, wenn deine Pflanze nicht auf diesen Symbiose-Zug aufspringen kann, denn dann passiert nichts Dramatisches. Ihr seid trotzdem ein Dreamteam. Bei deinen kletternden Freundinnen kannst du auf Mykorrhiza getrost verzichten, denn die kommen auch ohne aus. Bei allen anderen kannst du es ausprobieren. Deine Pflanzen-Buddys werden es dir danken!
Wie bringe ich Mykorrhiza-Pilze aus?
Mykorrhiza-Präparate gibt's in allen möglichen Formen – als Granulat, Pulver oder sogar als flüssige Lösung, die du einfach auf die Wurzeln oder in die Erde kippen kannst. Manche dieser Produkte sind echte Kunstwerke, bei denen das Trägersubstrat aus zerbrochenem Blähton besteht, der mit tausenden von Mykorrhiza-Pilzsporen sowie anderen nützlichen Pilzen und hilfreichen Bakterien übersäht ist.
Normalerweise mischt man eine kleine Menge des Impfstoffs beim Umtopfen direkt in die Erde, am besten ganz nah an den Wurzelballen. Keine Sorge, wenn du das beim Umtopfen versäumst – du kannst die Pflanzen auch später noch beimpfen, indem du mit dem Finger vorsichtig ein kleines Loch in die Erde neben der Pflanze bohrst und das Granulat dann hinein streust. Sobald die Präparate im Boden sind, fangen die Sporen an zu arbeiten und machen sich auf, um die Pflanzenwurzeln zu erobern!
Was muss ich beachten, damit die Mykorrhiza-Pilze gut überleben?
- Mineralisches und organisches Substrat: Du kannst die Mykorrhiza-Pilze in Erde ausbringen. Achte dabei darauf, dass die Erde locker ist und somit eine gute Durchlüftung ermöglicht. Unsere `Back to the roots´-Erde ist für Mykorrhiza sehr gut geeignet. Studien zeigen, dass die Pilze auch in Hydrokulturen gedeihen können. Es konnte auch gezeigt werden, dass das Wachstum und Überleben der Pilze in Perlite funktioniert. Du kannst Mykorrhiza daher auch in mineralischen Substraten wie z.B. Seramis ausbringen.
- Düngung: Die Symbiose reduziert den Düngerbedarf. Du kannst also etwas weniger düngen. Eine zu starke mineralische Düngung wirkt sich eher negativ auf die Pilz-Pflanzen-Freundschaft aus. Gib lieber häufiger eine kleine Menge Dünger ins Wasser als seltener eine größere Menge.
- Wasser: Mykorrhiza-Pilze arbeiten am besten in einer leicht feuchten Umgebung. Eine gleichmäßige Feuchtigkeit unterstützt also die Pilze. Vermeide Staunässe und zu starke Trockenheit.
- Temperatur: Achte darauf, dass dein Mykhorriza-Pflanzenfreund keinen allzu hohen Temperaturen ausgesetzt ist, denn diese wirken sich negativ auf die Symbiose aus.
- Licht: Platziere deinen mykorrhizierten Pflanzen-Buddy an einem hellen Standort. Licht wird im Rahmen der Photosynthese von deiner Pflanze benötigt, um Zucker herzustellen. Dein Pflanzen-Buddy braucht also ausreichend Licht, um sowohl sich als auch seinen Pilz-Partner mit Zucker versorgen zu können.
Verwechslungsgefahr mit Eiern!
In letzter Zeit mehren sich die Hilferufe von Plantaddicts, die an den Wurzelballen ihrer Zimmerpflanzen Grüppchen von winzigen Kugeln finden. Oft werden diese Kügelchen für Spinnen- oder Schneckeneier gehalten.
Schau mal genauer hin. Kannst du ganz feine Pilzfäden um die Kügelchen herum erkennen? Dann handelt es sich höchstwahrscheinlich um die Überdauerungsorgane von Pilzen.
Viele arbuskuläre Mykorrhiza-Pilze bilden sogenannte Chlamydosporen, um Zeiträume mit ungünstigen Wachstumsbedingungen zu überdauern. Chlamydosporen sind kugelförmige Zellen mit sehr dicken Wänden. Sie sind bis zu 0,8 mm groß und daher manchmal mit dem bloßen Auge erkennbar. Sie können einzeln vorliegen oder aber auch gesellig in kleinen Gruppen abhängen. Es kann also sein, dass es sich bei den Kügelchen um die nützliche Mykorrhiza handelt.
Es könnten auch die Überdauerungsorgane von Zersetzerpilzen sein, z.B. die Sklerotien des Gelben Faltenschirmlings. Das ist kein Mykorrhiza Pilz, sondern ein sogenannter saprotropher Pilz. Das bedeutet, dass er sich nur von toter organischer Substanz ernährt. In letzter Zeit mehren sich die Fälle, in denen seine leuchtend gelben Hüte in Blumentöpfen wachsen. Er schädigt deine Zimmerpflanze nicht, solange das Myzel nicht überhandnimmt. Seine Sklerotien sind ebenfalls Überdauerungsorgane, nämlich kleine gelbe Kügelchen, die von einer wolligen, zarten Schicht aus Pilzfäden umgeben sind. Auch in diesem Fall brauchst du nichts zu tun und kannst dich entspannt und sorgenfrei zurücklehnen – deinem Pflanzen-Buddy geht es gut. Wenn du wissen möchtest, wann du die gelben Pilze entfernen solltest und wie sie das Pflanzenwachstum beeinflussen können, dann schau mal hier rein: “Hutpilze im Blumentopf – Was tun?”.
Erstaunliche Fakten über Mykorrhiza
Hier sind einige erstaunliche Fakten über Mykorrhiza, die zeigen, wie faszinierend und vielseitig diese pflanzlichen und pilzlichen Partnerschaften wirklich sind.
Einsame Stadtbäume: Bäumen in der Stadt fehlt oft die helfende und so dringend benötigte Ektomykorrhiza, die sie in freier Natur, also in Wäldern, haben. Den Pilzen ist es in der Stadt nicht kühl und feucht genug und der pH des Bodens ist ihnen zu hoch. Kein Wunder also, dass Stadtbäume oft nicht so vital sind wie Waldbäume!
Mykorrhiza-Parasiten: Manchmal verwandeln sich die Pilze oder die Pflanzen von einem Partner in einen Parasiten, wie wenn ein freundlicher Mitbewohner plötzlich zur Miete auf deine Kosten lebt! Einige Orchideen sind so raffiniert, dass sie Pilze als Snack nutzen und dabei ganz ohne Sonnenlicht auskommen – sie sind dann zwar blass wie ein Vampir, aber bestens versorgt.
Mykorrhiza-Helferbakterien: Jetzt will noch jemand mitmischen! Direkt an der Mykorrhiza befinden sich oft nützliche Bakterien, die die Mykorrhiza-Pilze wie persönliche Trainer unterstützen und ihnen helfen, besser und schneller zu wachsen.
Wood Wide Web: Über das Mykorrhiza-Netzwerk können Bäume miteinander kommunizieren! Sie tauschen Nährstoffe aus und schicken sogar Warnsignale aus, wenn Schädlinge im Anmarsch sind. Ein Fliegenpilz hat dabei so viele Baumfreunde, dass er ein echter Social-Media-Star im Wald ist!
Fazit: Der Deal zwischen Pflanzen und Pilzen ist ziemlich genial! Die Pflanzen geben den Pilzen Zucker aus der Photosynthese, also ihre eigene Form von „Pflanzen-Währung“, und die Pilze liefern dafür erstklassige Nährstoffe und Wasser. Man könnte sagen, das ist der beste Tauschhandel, seit es Pflanzen gibt!
Du kannst die nützlichen Pilze auf fast allen Substraten und Pflanzen ausbringen, als Granulat, Pulver oder flüssig direkt an die Wurzeln. Somit unterstützt du das Wachstum und die Gesundheit deines Pflanzen-Buddys.
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