Nützlinge gegen Blattläuse einsetzen
So funktioniert's
Wann macht ein Nützlingseinsatz bei Blattläusen in der Wohnung Sinn?
Wenn deine Zimmerpflanzen-Buddys mit Blattläusen befallen sind, empfehlen wir dir vorrangig eine Bekämpfung mit biologischen Pflanzenschutzmitteln, mit denen du deine Pflanzen besprühen kannst. So wirst du die lästigen Krabbeltiere schnell und kostengünstig wieder los. In unserem Blog Blattläuse erkennen und bekämpfen erfährst du, welche Mittel am besten geeignet sind, um deine Pflanzenfreunde wieder kerngesund zu machen.
Es spricht natürlich nichts dagegen, wenn du trotzdem Nützlinge in deiner Wohnung ausprobieren möchtest, um den Läusen den Garaus zu machen. Welche sich dafür eignen, erfährst du gleich.
Wann macht ein Nützlingseinsatz bei Blattläusen im Außenbereich Sinn?
Die Ausbringung von Nützlingen macht vor allem bei solchen Pflanzen Sinn, die nicht behandelt werden können, z.B. aufgrund ihrer Größe. Das ist bei beispielsweise bei (Obst)bäumen der Fall. Hier ist die einfachste Maßnahme, die Nützlingstütchen an den Zweigen aufzuhängen.
Was muss ich beachten, wenn ich Nützlinge im Außenbereich ausbringe?
Wenn du Nützlinge in deinem Garten einsetzt, wäre es zunächst sinnvoll, dass du überprüfst, ob viele Ameisen am Start sind. Wenn dies so ist, kann die Effizienz der Nützlinge nämlich deutlich eingeschränkt werden, da diese es schwer haben, durch die Ameisen-Abwehr durchzudringen. Wir empfehlen dir, dass du die Ameisen, wenn sie in sehr hoher Anzahl vorhanden sind, ebenfalls bekämpfst, z.B. mit Ameisennematoden. Bei nur mäßiger Ameisen-Anzahl kannst du versuchen, sie von der Blattlaus-Kolonie wegzulocken. Das kann z.B. durch das Aufstellen von Zuckerwasser gelingen.
Beachte: Im Freiland kann es dazu kommen, dass die Nützlinge abwandern oder, dass für sie ungünstige Wetterbedingungen herrschen. Achte daher darauf, ab welchen Temperaturen du die Nützlinge einsetzen kannst.
Bekämpfung im Innenraum und draußen: Nützlinge
Es gibt zahlreiche Nützlinge, die du kaufen und fördern kannst, um die Blattläuse im Zaum zu halten. Hier nennen wir die wichtigsten und gefräßigsten Vertreter unter ihnen.
Nützling #1: Der Marienkäfer – Räuber
- Leistung: Eine Marienkäfer-Larve verputzt zwischen 400 und 600 Blattläuse bis sie erwachsen ist. Wow! Erwachsene Käfer vertilgen 50 bis 120 Blattläuse am Tag.
- Einsetzbar ab einer Temperatur von: Sie sind aktiv ab Temperaturen von ca. 15 °C, darunter sind sie träge und fressen keine Blattläuse. Der aktive Temperaturbereich liegt zwischen 15-30 °C, optimal für die Käfer sind 18-22 °C.
- Wo einsetzbar: Innenräume, Gewächshaus, Folientunnel, Freiland.
- Wann einsetzbar: Einsatz in der Wohnung ist ganzjährig möglich, im Freien können Marienkäfer von Mai-September eingesetzt werden.
- Kombination mit anderen Nützlingen: Eine Kombination mit Florfliegen (Chrysoperla carnea) ist möglich. Ob eine Kombination mit Schlupfwespen sinnvoll ist, ist nicht abschließend geklärt. Bei der Kombination von Marienkäfern mit Parasitoiden wie Schlupfwespen kann es möglicherweise sein, dass die Marienkäfer deren Wirksamkeit beeinträchtigen. Sie ernähren sich nämlich auch teilweise von den Blattläusen, die bereits von den Schlupfwespen mit deren Ei ausgestattet wurden.
- Marienkäfer sind weltweit die am häufigsten vorkommenden Räuber von Blattläusen.
- Es gibt zahlreiche Marienkäfer-Arten, die Blattläuse fressen.
- Der Nützling ernährt sich bevorzugt von Blattläusen, snackt aber auch gerne z.B. Schildläuse, Thripse, Spinnmilben und Zikaden.
- Sowohl die Marienkäfer-Larven als auch die erwachsenen Käfer vertilgen Blattläuse.
- Wir empfehlen dir die folgenden Arten: Zweipunkt-Marienkäfer (Adalia bipunctata) und Siebenpunkt-Marienkäfer (Coccinella septempunctata).
- Die Blattläuse werden meistens vollständig von den Marienkäfern verspeist.
- Die Larven leben ca. zwei Wochen bis sie sich auf den Blattunterseiten verpuppen.
- Die Nützlinge werden als Eier oder Larven geliefert und das Behältnis kann einfach in den Pflanzenbestand gestellt werden.
- Die Ausbringung sollte am selben Tag des Erhalts erfolgen, die Lagerung ist bei 8-10 °C nur für max. 24 h möglich.
Nützling #2: Die Florfliege (Chrysoperla carnea) – Räuber
- Leistung: Eine Florfliegen-Larve snackt während ihrer Entwicklung, die je nach Temperatur 8-18 Tage dauern kann, bis zu 500 Blattläuse.
- Einsetzbar ab einer Temperatur von: Aktiv sind die Florfliegenlarven ab Temperaturen von 12 °C, die Durchschnittstemperatur sollte mindestens bei 16 °C liegen.
- Wo einsetzbar: Innenräume, Wohnräume, Wintergarten, Gewächshaus. An windgeschützten Stellen auf dem Balkon oder im Garten ab Mai.
- Kombination mit anderen Nützlingen: Der Nützling kann mit allen anderen Nützlingen kombiniert werden.
- Nicht vorbeugend einsetzen. Erst bei Auftreten der Schädlinge ausbringen.
- Nur die Larven der Florfliege leben räuberisch und saugen Blattläuse aus. Die erwachsenen Florfliegen ernähren sich von Pollen und Nektar.
- Die Larven der Florfliege bevorzugen Blattläuse, fressen aber auch andere Schädlinge, wie Spinnmilben und Wollläuse. Hier kannst du Nützlinge kaufen. Wenn du weitere Infos über den Nützling möchtest, schau mal in unserem Blog „Nützlinge – Die natürliche Schädlingsbekämpfung“ vorbei, dort findest du ein Portrait der Florfliege.
Nützling #3: Die Gallmücke (Aphidoletes aphidimyza) – Räuber
- Leistung: In den 5-10 Tagen als Larve saugt der Nützling 10-100 Blattläuse aus. Einsetzbar ab einer Temperatur von: Die Nützlinge sind aktiv ab einer Temperatur von ca. 14 °C.
- Wo einsetzbar: Gewächshaus, Wintergärten.
- Wann einsetzbar: April bis September.
- Nicht unter sehr trockenen Bedingungen einsetzen, es wird eine Luftfeuchtigkeit von über 70 % benötigt.
- Kombination mit anderen Nützlingen: Eine Kombination mit Schlupfwesen ist sinnvoll.
- Die Larven der Gallmücke saugen die Blattläuse aus, während die erwachsenen Gallmücken sich von dem Honigtau ernähren.
- Gallmücken reagieren empfindlich auf viele Pflanzenschutzmittel, selbst auf Neudosan und Öle. Du solltest mindestens 6 Wochen vor dem Einsatz der Gallmücke keine Pflanzenschutzmittel verwendet haben.
- Hier kannst du den Nützling kaufen. Weitere Infos über die Gallmücke findest du in unserem Blog „Nützlinge – Die natürliche Schädlingsbekämpfung“.
Nützling #4: Die Schwebfliege (Episyrphus balteatus) – Räuber
- Leistung: Eine Larve der heimischen Schwebfliege saugt innerhalb von 1 bis 2 Wochen bis zu 700 Blattläuse aus, Respekt!
- Einsetzbar ab einer Temperatur von: Sie können schon bei niedrigen Temperaturen von 8 °C gegen Blattläuse eingesetzt werden. Bei höheren Temperaturen ist die Schwebfliege allerdings aktiver und effizienter. Der Schlupf aus Eiern erfolgt jedoch erst, wenn für 5 Tage Mindesttemperaturen von 12 °C erreicht werden.
- Wo einsetzbar: Balkon und Terrasse, Innenraum. Nicht einsetzen bei Pflanzen mit behaarten Blättern (z.B. Gurken, Bohnen, Tomaten, Usambaraveilchen).
- Wann einsetzbar: Ganzjährig im Innenraum. Im Freien ab Temperaturen von mindestens 8 °C.
- Kombination mit anderen Nützlingen: Für einen guten Bekämpfungserfolg wird empfohlen, dass die Nützlinge mit anderen Räubern und/oder Schlupfwespen kombiniert werden.
- Schwebfliegen sind sehr gut darin, Blattlaus-Hotspots zu finden und erzielen eine gute Sofortwirkung.
Nützling #5: Die Schlupfwespe (z.B. Aphidius colemani) – Parasitoid
- Leistung: Eine weibliche Schlupfwespe legt zwischen 50 bis ca. 850 Eier und bekämpft genauso viele Blattläuse, denn pro Blattlaus entwickelt sich nur eine Schlupfwespe. Wie du siehst, schwankt das ganz schön stark. Das hängt von mehreren Faktoren ab, wie z.B. der Blattlausdichte, der Temperatur und der Verfügbarkeit von Nahrungspflanzen.
- Einsetzbar ab einer Temperatur von: 15 °C werden mindestens benötigt.
- Wo einsetzbar: Gewächshaus.
- Wann einsetzbar: Kann präventiv eingesetzt werden oder auch bei ersten Anzeichen eines Schädlingsbefalls.
- Kombination mit anderen Nützlingen: Funktioniert gut zusammen mit die Gallmücke (Aphidoletes aphidimyza) und der Schlupfwespe Aphidius ervi. Ob eine Kombination mit Marienkäfern sinnvoll ist, ist nicht abschließend geklärt.
- Die winzig kleinen Schlupfwespen legen Eier in den Körper der Blattläuse. Dazu biegen sie ihren Hinterleib unter ihrem Oberkörper hindurch (sodass sie die Blattlaus „im Auge haben“), stechen sie dann mit ihrem Eilegeapparat an und legen dann – meistens – ein Ei. Dieser Vorgang sieht sehr lustig aus, wir empfehlen dir, dir dazu mal ein kurzes Video anzuschauen, du wirst nicht enttäuscht! Die Schlupfwespen schlüpfen und entwickeln sich im Inneren der Blattlaus, die dabei abstirbt und zu einer sogenannten „Blattlausmumie“ wird.
- Wenn die Schlupfwespen fertig entwickelt sind, entfliegen sie aus einem kleinen Loch in der Blattlausmumie.
Weitere Nützlinge
Es gibt noch zahlreiche weitere Nützlinge, die du gegen Blattläuse einsetzen kannst, hier ein paar Beispiele:
- Raubwanzen: Orius indidiosus, Orius majusculus, Anthocoris nemoralis, Macrolophus caliginosus, Macrolophus pygmaeus.
- Schlupfwespen, die jeweils verschiedene Blattlaus-Arten parasitieren: Aphidius ervi, Aphelinus abdominalis, Aphelinus asychis, Aphidius colemani, Aphidius matricariae.
- Laufkäfer: Agonum, Notiobia, Crossonychus, Feroniomorpha und Metius.
Bekämpfung im Außenbereich: Nützlinge ausbringen und/oder fördern
Neben dem gezielten Ausbringen von Nützlingen kannst du aber auch die ohnehin vorhandenen nützlichen Insekten fördern. Deine Gartengestaltung hat einen großen Einfluss auf die Anzahl der Nützlinge. Hier findest du ebenso nützliche Tipps, wie du die Nützlinge im Garten und auf dem Balkon fördern kannst.
Hier einige Tipps, wie du die Nützlinge fördern kannst:
- Achte darauf, dass sich auf deinem Balkon oder deinem Garten blühende Pflanzen befinden. Manche Nützlinge ernähren sich im Erwachsenenstadium von Pollen, Nektar und anderen zuckerreichen Pflanzensekreten. Pflanzen, die zur Nützlingsförderung generell geeignet sind, sind z.B. Kornblumen, Koriander, Phacelie, Lein, Ringelblume, Buchweizen, Dill, uvm.
- Viele verschiedene Pflanzenarten: Achte darauf, dass du viele verschiedene Pflanzenarten in deinem Garten hast, statt nur einige wenige. Zudem kannst du den Insekten helfen, wenn du deine Pflanzen so auswählst, dass zu jeder Jahreszeit etwas blüht.
- Biete Überwinterungsquartiere für Nützlinge in deinem Garten: Hecken und Büsche, die du nicht mit Insektiziden behandelst, sind geeignet, um die nützlichen Helfer zu fördern.
- Wenn du gezielt Marienkäfer fördern möchtest, kannst du Pflanzen in deinen Garten setzen, die diese anlocken. Dazu gehören u.A.: Schafgarbe, Kriechender Günsel, Dill, und Fenchel.
- Florfliegen können z.B. durch folgende Pflanzenarten gefördert werden: Dill, Wilde Möhre, Goldgarbe, Rote Engelwurz, Fenchel, Rainfarn, Kümmel, uvm.
- Achte grundsätzlich auf Strukturreichtum in deinem Garten: Mit Steinmauern, Steinhaufen, Sandhügeln, ungemähten Wiesenabschnitten, Haufen mit Totholz und Ästen etc. kannst du die Biodiversität in deinem Garten unterstützen.
Du hast nun gelernt, welche Nützlinge du unter welchen Bedingungen ausbringen kannst und wie du die natürlich vorkommenden Nützlinge in deinem Garten fördern kannst, super!
Wenn du gerne mehr über die Besonderheiten der Blattläuse erfahren möchtest, schau mal in unserem Blog Blattläuse erkennen und bekämpfen vorbei, spannende Fun-Facts sind garantiert!
Teile gerne deine Erlebnisse mit uns, wenn du einen nützlichen Gegenspieler gegen die Blattläuse eingesetzt hast. Wir freuen uns über deine Erfahrungen!
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