Irisierende Pflanzen
Plantaddiction klärt auf
Was hat es mit der Irideszenz auf sich?
Irideszenz klingt wie ein Begriff aus einem Zauberbuch, ist aber eigentlich ziemlich cool und nützlich! Diese besondere Eigenschaft macht, dass Pflanzen je nach Lichtwinkel metallisch in Blau und Grün schimmern. Dies passiert durch ganz spezielle Strukturen in den Blättern, die das Licht auf magische Weise reflektieren. Es gibt auch irisierende Blütenblätter, die den Kontakt mit den Bestäuber-Insekten beeinflussen. Wusstest du, dass … … es auch irisierende Insekten, Fische, Vögel, Muscheln und Steine (z.B. der Opal) gibt? Auch von Seifenblasen oder einem Ölfilm kennt man den irisierenden Effekt.
Wie funktioniert das Schimmern?
Das beeindruckende Farbspiel auf den Blättern entsteht nicht durch bunte Pigmente, sondern durch spezielle Strukturen auf der Blattoberfläche. Diese Strukturen wirken wie winzige Lichtfilter, die bestimmte Farben verstärken und andere schlucken. Man könnte sich das wie einen unsichtbaren Farbfilter vorstellen, der die Blattfarbe in ein faszinierendes Spektrum verwandelt. Besonders spannend wird es bei Pflanzen wie dem Moosfarn Selaginella willdenowii oder der Begonia pavonina, bei denen die Blätter fast schon glitzernd wirken.
Nice to know: Die Blätter von irisierenden Pflanzen erscheinen nicht aus jedem Blickwinkel Blau! Je kleiner der Winkel zwischen dem einfallenden Licht und dem Auge der betrachtenden Person ist, desto besser ist die blaue Strukturfarbe zu erkennen. Mit dem Auge ist das besondere Schillern übrigens besser einzufangen als mit einer Kamera!
Warum machen Pflanzen das?
Gute Frage! Die Irideszenz ist nicht nur ein hübsches Gimmick, sondern hat auch praktische Zwecke. Viele dieser Pflanzen leben in extrem schattigen Orten, wie dem Unterholz tropischer Regenwälder, wo das Licht eher spärlich ist. Die Irideszenz könnte ihnen helfen, das wenige Licht, das ihnen zur Verfügung steht, besser zu nutzen. Ein bisschen wie ein Super-Sonnenbrille für Pflanzen, die das Licht richtig einfangen und effizient nutzen kann. Es wird vermutet, dass die schillernde Farbe vielleicht auch dabei helfen könnte, Pflanzenfresser fernzuhalten.
Die Stars unter den irisierenden Pflanzen
Wenn du auf der Suche nach echten Hinguckern bist, haben wir hier ein paar Favoriten für dich:
Farne:
- Microsorum thailandicum
- Elaphoglossum wurdackii
- Elaphoglossum metallicum
- Trichomanes elegans
- Danaea nodosa
Moosfarne:
- Selaginella willdenowii
- Selaginella uncinata
Begonien:
- Begonia burkillii 'Dark Form'
- Begonia pavonina (die Pfauen-Begonie!)
- Begonia formosana
- Begonia hahiepiana
- Begonia rockii
- Begonia barsalouxiae
- Begonia metallicolor
- Begonia kapuashuluensis
- Begonia aff. aiensis (besonders pflegeleicht!)

Das ist unsere irisierende Begonie, die Begonia burkillii 'Dark Form'.
Weitere Highlights:
- Phyllagathis rotundifolia (Schwarzmund-Gewächs)
- Mapania caudata (Sauergras)
Wie pflegt ich solche Schönheiten richtig?
Wenn du irisierende Pflanzen-Buddys in deiner Sammlung haben möchtest, haben wir hier ein paar Tipps für dich, damit sie sich bei dir zuhause pudelwohl fühlen:
- Licht: Weniger ist manchmal mehr! Irisierende Begonien lieben es schattig, also ein schönes Plätzchen, das etwas weiter vom Fenster entfernt ist, wäre perfekt. Zu viel Licht kann ihre schillernden Effekte mindern. Wir empfehlen dir 200-500 Lux, um die Irideszenz der Blätter zu erhalten. Ja, das ist wirklich sehr wenig, aber die irisierenden Begonien mögen es so.
- Temperatur: Die Tropenpflanzen fühlen sich bei Temperaturen zwischen 20 und 25 °C am wohlsten. Ein bisschen Wärme schadet nie!
- Luftfeuchtigkeit: Diese Pflanzen lieben eine hohe Luftfeuchtigkeit – so hoch wie in ihrem natürlichen tropischen Zuhause. Kein Grund zur Panik, falls du kein Pflanzen-Terrarium hast. Mit ein paar pfiffigen Lösungen wie teilbaren transparenten Kunststoffkugeln oder Glaskuppeln kannst du die ideale Feuchtigkeit auch zuhause schaffen. Irisierende Pflanzen sind nicht nur eine Augenweide, sondern auch ein spannendes Thema für Pflanzenfreundinnen und -freunde, die auf der Suche nach etwas Besonderem sind. Wenn du also bereit bist, deine Pflanzenkollektion so richtig aufzupeppen und einen echten Eyecatcher zu schaffen, dann sind irisierende Pflanzen genau das Richtige für dich. Have fun!
Literaturverzeichnis
LEE, D. W.; LOWRY, J. B. (1975): Physical basis and ecological significance of iridescence in blue plants. In: Nature 254 (5495), S. 50–51. DOI: 10.1038/254050a0.
Pao, Shang-Hung; Tsai, Ping-Yun; Peng, Ching-I; Chen, Pei-Ju; Tsai, Chi-Chu; Yang, En-Cheng et al. (2018): Lamelloplasts and minichloroplasts in Begoniaceae: iridescence and photosynthetic functioning. In: Journal of plant research 131 (4), S. 655–670. DOI: 10.1007/s10265-018-1020-2.
Vignolini, Silvia; Moyroud, Edwige; Hingant, Thomas; Banks, Hannah; Rudall, Paula J.; Steiner, Ullrich; Glover, Beverley J. (2015): The flower of Hibiscus trionum is both visibly and measurably iridescent. In: The New phytologist 205 (1), S. 97–101. DOI: 10.1111/nph.12958.