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Hutpilze in der Erde – Was tun?

Plantaddiction klärt auf

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Was sind das für Pilze, die in den Töpfen meiner Zimmerpflanzen wachsen? 

Häufig sind es Faltenschirmlinge, die aus der Erde unserer Pflanztöpfe sprießen. Sehr oft kommt z.B. der Gelbe Faltenschirmling (Leucocoprinus birnbaumii) oder der Lilaschuppige Faltenschirmling (Leucocoprinus ianthinus) vor. Verschiedene Arten von Helmlingen (Mycena spp.), die kleine, zarte Hüte haben, oder der Graublättrige Tintling (Coprinellus disseminatus) können ebenfalls in Blumentöpfen wachsen.

Vor allem der Gelbe Faltenschirmling wird immer häufiger in Blumentöpfen entdeckt. Seine leuchtend gelben Hüte sehen wunderbar exotisch aus und das sind sie auch tatsächlich: Der gelbe Kerl kommt aus fernen Ländern wie Asien, Afrika und Amerika. Er liebt es (sub)tropisch und wurde mit Blumen eingeführt, meist mit Orchideen, die für ihn quasi das Einreisevisum in unser Wohnzimmer waren. Der Gelbe Faltenschirmling sieht zwar spannend aus, ist aber nicht zum Essen gedacht. Ganz im Gegenteil, er gilt als giftverdächtig. Die Fruchtkörper dürfen auf keinen Fall in die Pfanne!

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Sind diese Hutpilze schädigend für meine Pflanzen?

Nein. Die genannten Pilze sind saprotroph, das bedeutet sie zersetzen totes organisches Material wie z.B. Rinde oder Kompost. Sie werden auch Zersetzer-Pilze genannt. Sie schädigen deine Pflanzen also nicht, weil sie keine lebenden Pflanzenteile befallen. 

Deine Pflanzen können lediglich dann indirekt einen Schaden nehmen, wenn die Pilze überhandnehmen und das Geflecht der Pilzfäden in der Erde, das sogenannte Myzel, so groß wird, dass es fast die gesamte Erde bedeckt. Denn dadurch kann die Erdoberfläche wasserabweisend werden, wodurch das Wachstum deines Grünlings negativ beeinflusst wird. Spätestens dann solltest du deinen Pflanzen-Buddy umtopfen und dabei seine Wurzeln sachte und so gut es geht von der alten Erde befreien und diese durch frische, neue Erde ersetzen. Unsere  'Back to the roots' Zimmerpflanzenerde ist durch ihre faserige und dadurch luftige Struktur sehr gut geeignet, um zu verhindern, dass das Myzel erneut den Topf erobert.

Sind diese Hutpilze in meinem Blumentopf nützliche Mykorrhiza-Pilze?

Falls du an dieser Stelle nicht weißt, was Mykorrhiza bedeutet: Das ist eine nützliche Lebensgemeinschaft zwischen Pilzen und Pflanzenwurzeln. Wenn du mehr darüber erfahren möchtest, wie du deiner Zimmerpflanze einen Wachstumsboost durch die nützlichen Mykorrhiza-Pilze verschaffen kannst, dann schau mal hier rein: „Mykorrhiza – die Superkraft der Pflanzen“.

Die Hutpilze im Blumentopf sind keine nützlichen Mykorrhiza-Pilze. Denn unsere meist nicht verholzten Zimmerpflanzen gehen ihre Mykorrhiza ausschließlich mit den Glomeromycota ein. Die Pilze aus dieser Abteilung bilden keine klassischen Hutpilze, wie wir sie aus dem Wald kennen, z.B. von dem Stein- oder Fliegenpilz. Siehst du also einen Hutpilz, der im Topf einer krautigen Pflanze wächst, so kannst du dir ziemlich sicher sein, dass es sich nicht um einen Mykorrhiza-Pilz handelt, der deine Pflanze bei der Nährstoffaufnahme unterstützt.

Können die Pilze positiv für meine Zimmerpflanze sein?

Ja. Sie können das Pflanzenwachstum fördern, da sie Nährstoffe in eine pflanzenverfügbare Form bringen können. Zudem können die Zersetzer-Pilze die Anzahl und Aktivität von Bodenmikroorganismen erhöhen, was wiederum positiv für das Gedeihen deiner Zimmerpflanze sein kann. Als wäre das noch nicht gut genug, können diese Pilze sogar noch Organismen unterdrücken, die für Pflanzen schädlich sind. Perfekt!

Hat der Hutpilz Auswirkungen auf unsere Gesundheit?

Essen sollte man die Pilze aus dem Blumentopf grundsätzlich nicht. Doch nicht nur der Verzehr kann gesundheitliche Konsequenzen haben: Wenn die Hutpilze in Blumentöpfen auftauchen, produzieren sie eine Menge winziger Sporen, die nicht gerade toll für unsere Lungen sind. Beim Einatmen dieser Sporen kann es zu unangenehmen Reaktionen wie Allergien und Atemwegsbeschwerden kommen. Für Menschen mit chronischen oder allergischen Atemwegserkrankungen können die Sporen zu Schnupfen und Asthma führen. Aber keine Panik, es ist nicht so, dass jeder, der einmal tief durchatmet, sofort eine Allergie entwickelt. Es ist einfach gut, auf der Hut (:D) zu sein.

Die Symptome einer Pilzallergie ähneln oft denen anderer Allergien, wie zum Beispiel der gegen Staub oder Pollen. Am besten entfernst du die Pilze einfach, indem du sie aus der Erde ziehst. Wenn du dich optisch sehr daran erfreust und gesundheitlich in bester Verfassung bist, kannst du die kleinen Waldbewohner auch da belassen – sie halten ohnehin nur wenige Tage. Achte dann darauf, dass du deine Wohnung regelmäßig lüftest. 

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In welchen Fällen muss ich den Pilz entfernen?

  • Für die Pflanzengesundheit: Wie du oben bereits gelernt hast, brauchst du nur einzugreifen, wenn das Myzel in der Erde überhandnimmt und somit die Wurzeln deines Pflanzen-Buddys beeinträchtigt werden. Wenn das der Fall ist, solltest du sowohl die Hutpilze entfernen als auch die Erde der Pflanze erneuern, indem du sie umtopfst.
  • Für die Gesundheit von Mensch & Tier: Wenn du Kinder oder Tiere zuhause hast, solltest du die Fruchtkörper umgehend entfernen, um zu verhindern, dass die Kleinen daran snacken. Es reicht aus, wenn du die Hutpilze aus der Erde ziehst. Wenn die Erde deiner Zimmerpflanze noch normal aussieht, brauchst du sie nicht umzutopfen.

Was ist der Grund für das Auftreten der Hutpilze?  

Im Falle des Gelben Faltenschirmling ist der Grund für das Auftreten nicht das Übergießen, die Jahreszeit oder die Herkunft der Erde. Es scheint, als sei die Zusammensetzung der Stoffe der Erde verantwortlich dafür, dass die Hutpilze aus der Erde sprießen. Forschende vermuten, dass das zunehmende Auftreten der leuchtenden gelben Pilze mit der steigenden Verwendung von Torfersatzstoffen oder immer mehr jungen Torfs zusammenhängt.

Hohe Feuchtigkeit und warme Temperaturen sind zwar nicht die Ursache, aber fördernde Faktoren für den Pilz. Wenn die Fruchtkörper eine richtige Party veranstalten, kann es helfen, wenn du deine Pflanze etwas trockener hältst.

Verwechslungsgefahr mit Eiern!

In letzter Zeit mehren sich die Hilferufe von Plantaddicts, die an den Wurzelballen ihrer Zimmerpflanzen Grüppchen von winzigen Kugeln finden. Oft werden diese Kügelchen für Spinnen- oder Schneckeneier gehalten.

Schau mal genauer hin. Kannst du ganz feine Pilzfäden um die Kügelchen herum erkennen? Dann handelt es sich höchstwahrscheinlich um die Überdauerungsorgane von Pilzen.

Viele arbuskuläre Mykorrhiza-Pilze (das sind die nützlichen Helferpilze unserer Zimmerpflanzen) bilden sogenannte Chlamydosporen, um Zeiträume mit ungünstigen Wachstumsbedingungen zu überdauern. Chlamydosporen sind kugelförmige Zellen mit sehr dicken Wänden. Sie sind bis zu 0,8 mm groß und daher manchmal mit dem bloßen Auge erkennbar. Sie können einzeln vorliegen oder aber auch gesellig in kleinen Gruppen abhängen. Es kann also sein, dass es sich bei den Kügelchen um die nützliche Mykorrhiza handelt.

Es könnten auch die Überdauerungsorgane (sogenannte Sklerotien) des Gelben Faltenschirmlings sein. Das sind kleine gelbe Kügelchen, die von einer wolligen, zarten Schicht aus Pilzfäden umgeben sind. Auch in diesem Fall brauchst du nichts zu tun, denn du hast ja bereits gelernt, dass deine Pflanze normalerweise keinen Schaden nimmt durch den Gelben Faltenschirmling. Du kannst dich entspannt und sorgenfrei zurücklehnen – deinem Pflanzen-Buddy geht es gut.

Fazit: Wenn bei dir zuhause keine Kinder oder Haustiere sind und du dich bester Gesundheit erfreust, dann kannst du die schnelllebigen Hutpilze im Topf belassen und den Wald-Flair bei dir zuhause genießen. Andernfalls solltest du die Fruchtkörper aus der Erde ziehen und sie entsorgen. Deine Pflanzen kommen nicht zu Schaden, außer das Myzel überwächst das Substrat. Nur dann empfehlen wir dir, deine Zimmerpflanze umzutopfen. Wenn sich an dem Wurzelballen kleine Kügelchen befinden, die von ganz dünnen hellen Pilzfäden umgeben sind, dann handelt es sich wahrscheinlich um die Überdauerungsorgane von Mykorrhiza-Pilzen oder von Zersetzerpilzen– in beiden Fällen brauchst du nichts zu tun und kannst deiner Pflanze beim Gedeihen zusehen.

Literaturverzeichnis

Clémençon, Heinz (2004): Bilder zur Mikroskopie der Pilze (16) : das Sklerotium des Gelben Faltenschirmlings = Dans l'intimité microscopique des champignons (16) : le sclérote de la lépiote soufrée. DOI: 10.5169/SEALS-935874. 

Ijaz H, Mureed M, Yasmeen A, Naseer A, Hussain A, Jabeen S (2023): Molecular phylogeny and morphological characterization of Leucocoprinus birnbaumii from Punjab, Pakistan. In: Advancements in Life Sciences – International Quarterly Journal of Biological Sciences (10(2)), S. 148–151. 

Kazerooni, Elham Ahmed; Velazhahan, Rethinasamy; Essa, Musthafa Mohamed; Al-Sadi, Abdullah Mohammed (2020): Direct and indirect threats imposed by plant pathogenic and saprophytic fungi on humans and animals. In: CABI Reviews, Artikel PAVSNNR202015036. DOI: 10.1079/PAVSNNR202015036. 

Piepenbring, Meike (2022): Mykologie. Diversität, Morphologie, Ökologie und Evolution der Pilze. 1. Auflage 2022. Berlin, Heidelberg: Springer Berlin Heidelberg. 

Sören Keller (2017): Pilze im Blumentopf. Hg. v. Verlag W. Wächter GmbH. Bremen. Online verfügbar unter https://www.gartenfreunde.de/gartenpraxis/gut-zu-wissen/pilze-im-blumentopf/, zuletzt aktualisiert am 29.08.2024, zuletzt geprüft am 29.08.2024. 

Autor: Aspasia

Unsere unermüdliche Bloggerfee mit grünem Daumen Deluxe! 

Aspasia ist nicht nur gelernte Zierpflanzengärtnerin, sondern ein echter Pflanzenfreak mit Leib und Seele. Mit mehr als 150 Zimmerpflanzen hat sie das wohl grünste Zuhause von uns allen – Urban Jungle wäre hier fast untertrieben! Nach ihrer Ausbildung hat sie noch einen Bachelor in Gartenbau draufgepackt und tüftelt aktuell an ihrem Master in Speziellen Pflanzen- und Gartenbauwissenschaften. Wenn sie sich nicht gerade durch wissenschaftliche Studien wühlt oder ihre Monstera verhätschelt, tippt sie fleißig Blogbeiträge für euch. Kurz gesagt: Ohne Aspasia – unsere Bloggerfee mit Pflanzen-Power – wäre unser Content nur halb so blumig!